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Hinweis:
Das Ziel dieser multimedialen Erzählung war es, eine neue Darstellungsform zu testen. Der Schwerpunkt liegt also auf der technischen Demonstration, während der Text, der Ton und das Design stark vernachlässigt wurden.
Das Ziel der Darstellungsform ist es, das sequentielle Korsett aufzuheben, das die meisten audiovisuellen Medien, vor allem Radio und Fernsehen, mitbringen. Wie bei Zeitung, Buch oder herkömmlicher Website soll die Rezeptionsgeschwindigkeit vom Leser gesteuert werden. Der Leser soll scannen können, er soll überfliegen können. Er soll irgendwo einsteigen können, z.B. bei einem Bild, das ihn interessiert.
Der Text ist deshalb bei dieser Form weiterhin das Trägermedium. Ton und bewegte Elemente sind in den Text integriert und starten in Abhängigkeit vom Scrollbalken. Dem Leser werden so zum Text passende Geräusche, Atmosphäre, einzelne Interviewsätze oder Hintergrundmusik geliefert.

Die Reportage funktioniert momentan nicht auf Mac's. (Mehr dazu ...)
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Die südlichste Stadt Korsikas, Bonifacio, liegt auf einem hohen Kalkfelsen. Zahlreiche Touristen besuchen die pitureske Stadt und umfahren die Steilküste mit dem Boot. Kaum bekannt und in keinem Reiseführer erwähnt ist dagegen ein geheimer Schacht, der von der Stadt 200 Meter hinab zum Fuß der Steilwand führt.
Die Stadt
Bonifacio ist eine von diesen kleinen Orten, die man für sich entdeckt und als Tourist schätzt, weil man sie noch nicht in der Masse erkunden muss. Ein kleiner ehemaliger Fischerort mit Hafen, wie so viele mediterane Städtchen. Vom Hafen zieht sich eine Straße mit ein paar engen Kurven in den Ort hinauf, der einzige Zugang in die obere Stadt. Und auch hier, wie bei so viele mediterranen Städtchen, läuft man fasziniert durch kleine verwinkelte Gassen, schaut mal in jenen Hausflur hinein oder zu jenem Balkon hinauf. Nur ein Unterschied: nicht wenige der kleinen Gassen enden nach kurzer Zeit jäh an einer Steilküste, die teilweise sogar überhängt. Diese 200 Meter hohe Kalkwand ist nicht nur das Ende der Stadt, sondern auch das Ende Korsikas. Bei gutem Wetter sieht man über das Meer, über die kleinen Segelschiffe und Touristenkähne hinweg bis nach Sardinien. Die Hände an das Geländer gekrallt, hofft man, dass die Felsen für heute noch halten, spuckt vielleicht an den Grasbüscheln vorbei in die Tiefe und überlegt sich wie es unten wohl aussehen wird.
Die Treppe des Königs von Aragon
Wie es unten aussieht, kann man eigentlich leicht herausfinden. Im Sommer 2003 war ich mit einer Gruppe von Freunden wieder einmal in Bonfacio. Wir kannten schon einiges von der Stadt, also musste man sich ein paar neue Unternehmungen einfallen lassen.
Die Treppe von Aragon ist gerade recht für eine Gruppe gelangweilter Urlauber. Für einen kleinen Eintritt kann man die Steilküste hinabsteigen. 187 steile Stufen geht man hinab. Eine Steinmauer auf der Meerseite gibt einem ein sicheres Gefühl. Unten angekommen kann man einen kleinen Weg knapp überhalb des Wasser in beide Richtungen ein Stück weitergehen.
Der Weg im Fels

Der Kalkfels strahlt auch in der Mittagshitze noch eine angenehme Kühle aus. Etwa hundert Meter gingen wir diese Galerie entlang, begleitet vom sanften Meeresrauschen des windarmen Tages.
Der Eingang zur Grotte

Am Ende des Weges war von weitem nur ein überstehender Fels zu sehen. Ein paar Steine lagen davor.
Bei genauerem Hinsehen erkannte man allerdings einen Eingang. Das Eisentor, welches die Höhle vermutlich bis vor kurzem verschlossen hatte, war geöffnet.
Hinein ins Dunkle...

Ein muffiger Geruch.

Geröll am Boden

Es dauert eine Weile bis sich die Augen einigermaßen an die Dunkelheit gewöhnt hatten.
In der Tropfsteinhöhle


Die Höhle war relativ hoch und sehr feucht. Der Eingang war groß genug um ausreichend Licht hereinzulassen. Am Ende der Höhle ging es leicht bergab und ein kleiner wassergefüllter Gumpen begann, in den beständig Wasser von der Decke tropfte. Man erkannte zwar gut die hinteren Wände der Höhle, aber der abgesenkte Boden und auch die Seitenwände lagen im Schatten.

Uns packte natürlich jetzt erst recht die Abenteuerlust. Geht es irgendwo weiter? Vielleicht auf der anderen Seite des Sees? Aber durch das dunkle kalte Wasser wollte eigentlich keiner, und die Wände ließen keinen Platz um am Rand entlangzugehen. Ein langer Gegenstand hing von der Decke hinab, der aussah wie ein Kabel.
Auf unserer Seite, so schien es, gab es auch nichts weiter zu erkunden. Schemenhaft erkannte man Felsvorsprünge und dazwischen von der Dunkelheit verschlucktes Nichts. Ich streckte testweise den Arm in eine dieser großen Dunkelheiten, um die Felswand zu ertasten. Aber da kam nichts.
Ich tastete weiter rechts und meine Finger spürten den nassen und schmierigen Kalkfels, der mit haarigem Moos überzogen war. Von dort aus tastete ich wieder in das Loch, und dann wieder an die Wand. Sie fiel an dieser Stelle stark nach hinten zurück und ich wurde neugierig. Schlurfend folgte ich der Seitenwand des Lochs nach hinten, immer tastend und fühlend, denn sehen konnte ich immer noch nichts. "Hier ist ein Loch", sagte ich. Und die anderen antworteten mit einer Mischung aus Abenteuerlust und Spott: "Da geht es sicher weiter."
Dass es wirklich weiterging, wurde mir klar als die erste Treppenstufe kam. Ich setze den Fuß tastend auf die Stufe, und fuhr langsam mit den Armen und Fingern die Dunkelheit vor mir ab, ging wieder eine Stufe weiter, und so fort. Die Treppe führte am Rand der Höhle hinauf, verlief aber nicht als dunkler Gang von der Höhle weg, sondern war zur Höhle hin geöffnet, wie eine Galerie.


Am Ende der Galerie, nach einigen Stufen, knickte der Gang nach links ab und führte über die Höhle. Es wurde allerdings so dunkel, dass selbst die Fokus-Beleuchtung meiner Kamera nicht mehr weiterhalf. Wir mussten umdrehen, und Taschenlampen besorgen.


Mit Taschenlampen trauten wir uns schließlich an diesem alten Eisengatter vorbei, wo der erste Besuch des Schachtes abgebrochen wurde. Auch dieses Gatter war vermutlich einmal abgeschlossen, aber nun konnte man es problemlos öffen und gelangte zu einer Wendeltreppe, die sich um einen Schacht emporwand.
Wir stiegen höher und höher.


"Hier ist Sand. Wir kommen langsam nach oben."
"Aber hier wird der Sauerstoff auch grad weniger."

"Es wird heißer, ja."

(Originalaufnahme)

Am Ende des Schachts
Noch einige Runden auf der Wendeltreppe, noch einige Treppenstufen, und wir kamen oben an. Das konnte man unschwer an dem grellen Tageslicht erkannte, welches durch ein einfaches Ziegeldach und eine Eisentür blinzelte. Wir standen in einem runden Turm, dessen Durchmesser dem der Wendeltreppe entsprach. Damit hatten wir nicht gerechnet: durch diesen Schacht hinaufzusteigen bis in die Altstadt auf dem Kalkfelsen. Aber wo waren wir jetzt eigentlich?
Die Tür war mit einer Eisenkette verschlossen.


Was nun? Wir wollten natürlich unbedingt herausfinden, wo genau wir in der Altstadt von Bonifacio angekommen waren. Wenn man durch den Türspalt sah, erkannte man eine verfallene Toilette und rechts davon eine weitere Türe, aus Holz, die geöffnet war. Allerdings konnte man nicht sehen, was genau außerhalb war.
Eigentlich erschien es unmöglich, aber weil wir unbedingt erkunden wollten, wo wir waren, versuchten wir, die Blechtür mit aller Kraft auseinanderzudrücken, soweit die Eisenkette es erlaubte.








So gelang es schließlich, sich durch den Spalt der Eisentür zu zwängen.







Jetzt standen wir also irgendwo in der Altstadt, standen auf einem Grundstück, wussten nicht welches und was die Besitzer davon halten würden, dass wir aus einem Schacht herausgekrochen kommen und dort herumstreunern. Wir schauten vorsichtig um die Ecke der Tür. Draußen sah es aus wie auf einem verfallenem Fabrikgelände, aber man sah und hörte immer wieder Menschen, so dass wir uns immer wieder verunsichert in den kleinen Raum hinter der Holztür zurückzogen.





Aber schließlich gingen wir doch einfach hinaus. Und dann die Enthüllung...





Wir waren mitten im Militärgebiet am Rande der Altstadt. Das Kasernengelände war offensichtlich und zu unserer großen Erleichterung seit kurzem nicht mehr in Betrieb. Graffitis und Unkraut hatten Einzug erhalten.
Wir stiegen über einen Drahtzaun, der, wie deutlich zu erkennen war, nicht zum ersten Mal überstiegen wurde, kamen auf einen städtischen Parkplatz und von diesem wieder in die Touristengruppen, die zwischen Altstadt und der Steilküste über dem Hafen hin- und herwechselten. Die Pupillen gewöhnten sich schnell an das Licht und nur einige erdige, moosige Flecken an den Jacken sowie der Rost, den wir von der Eisentür abgestriffen hatten waren Zeuge von unserem kleinen, außergewöhnlichem Entdeckungsabenteuer.
Ende

Konzept, Programmierung, Text, Bild und Ton: Matthias Eberl.

Rufposten.de

Weblog für Text, Bild und Ton.

Diese Reportage war der erste Testlauf für eine neuartige multimediale Darstellungsform.
Ich freue mich über Anregungen und Kommentare. Mehr Informationen und ein Kommentarlink unter rufposten.de/weblog/Eigene_Projekte/schacht.html.