Die WM scheint traditionell ein Innovationsmotor für den deutschen Multimediajournalismus zu sein: Ich erinnere mich noch, wie ich vor vier Jahren zur Fußball-WM für jetzt.de ein selbstentwickeltes Multimedia-Format ausprobiert habe (Hat leider nie so richtig funktioniert, für die meisten Leser war es zu ungewohnt). Jetzt haben wieder zwei Gruppen von Journalisten zur WM multimediale Experiment gewagt - nicht nur erzählerisch, sondern auch wirtschaftlich.
2470media.com ist ein Zusammenschluss von einigen jungen Hannoveraner Foto-Journalisten. Anna Jockisch, Shooresh Fezoni, Michael Hauri und Daniel Nauck stammen alle aus der neuen Talentschmiede für Audio-Slideshows, der Fachhochschule Hannover mit ihrem speziellen Studiengang Fotojournalismus. Die vier haben sich gut vorbereitet, Experten befragt und sowohl Unterstützung durch den Gründercampus Niedersachsen als auch Kapital bei einer Bank beantragt. Die GmbH erinnert sofort an die amerikanische Produktionsfirma Mediastorm und mein erster Gedanke, als die vier mich vor über einem Jahr in ihre Pläne einweihten war, wie bei Mediastorm: Und mit was wollen die Geld verdienen? Neben dem reglären Verkauf von ihren Produktionen an Verlage (mit vermutlich bescheidenen Honoraren, die ich ungern durch vier teilen wollen würde), sind Auftragsproduktionen z.B. für Imagekampagnen von Konzernen sicher nicht unwahrscheinlich und sicher auch ganz lukrativ. Und dann fällt auf der Seite noch der kleine Kachingle-Button auf, ein Unternehmen und eine Idee, das durchaus die Vorstufe zu einem neuen Bezahlmodell für Journalismus sein könnte.
Bei ihrem WM-Projekt Soccer for Life steht dagegen der Charity-Gedanke im Vordergrund. Die hervorragenden Reportagen aus Afrika von Felix Seuffert (der mir bereits mit seiner Übungsreportage an der FH positiv aufgefallen war) werden mit Partnern wie 11Freunde und TAZ und einem Spendenaufruf präsentiert. Finanziert wird das Projekt vom Gründercampus und über Honorare von DFB-TV. Jedenfalls ist es eine Freude, diese mit Leidenschaft gemachten Reportagen aus Film und Fotos anzusehen, z.B. über einen taxifahrenden Fußballtrainer, der alles macht, damit seine Kunden glücklich sind und seine Jungen Fußball spielen können.
Beigeisterung für Fußball und für Multimediajournalismus stand auch bei Christian Frey und Kai Schächtele im Vordergrund. Sie berichten in ihrem vor wenigen Tagen gestartetem Projekt wintermaerchen2010.com täglich aus Südafrika. Beide arbeiten als freie Journalisten und haben bereits einige Audio-Slideshows zusammen produziert. Und auch sie setzen auf freiwillige Unterstützung: Bereits 450 Euro kamen über einen einfachen Paypal-Link zusammen, das ist immerhin mehr, als die großen Verlage für einen Multimedia-Beitrag zahlen. Vielleicht ist es irgendwie ein schönes Gefühl für Rezipienten, einen Privat-Korrespondenten dort unten zu haben.
Was mir auch hier gefällt: Das Geld interessiert die beiden gar nicht so sehr. Sie wollen in erster Linie dabei sein und schöne Geschichten erzählen. Heute z.B. über den Ärger der Afrikaner, die in der Nacht auf Montag an den Ticketbuden umsonst gewartet haben.
Egal was aus den Projekten finanziell wird ... journalistisch sind sie für mich jetzt schon eine Inspiration.
Veröffentlicht am 09. Jun. 2010. in [/Journalismus/Nachrichten]
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Literaturwissenschaftlich ist es ja sehr wichtig, den Erzähler vom Autor zu trennen, aber in der Praxis ist das manchmal sehr schwierig: Zum Beispiel letzte Woche auf dem Reporter-Workshop in Hamburg sollte ich eine Audio-Slideshow über die Veranstaltung machen und gleichzeitig einen Vortrag halten und es war wirklich nicht leicht, sich während des Vortrags selbst zu fotografieren. Also, ich geb sogar offen zu, dass schließlich Kollege Simon Kremer einsprang.
Das Ergebnis meiner (unserer?) Berichterstattung kann man sich nun auf der Website des Reporterforums ansehen, dort finden sich auch die MP3-Dateien aus dem Vortrag von Jens Radü und mir über die Webreportage.
Es war meine erste Audio-Slideshow mit einem Ich-Erzähler. Das war sehr ungewohnt, weil ich wie früher wieder sehr viel mit dem Stift gearbeitet habe, um Beobachtungen und Interviews festzuhalten. Die auktoriale Macht in dieser Form ist erstaunlich, man kann sehr viele gefühlte oder beobachtete Informationen einbringen. Erschreckend ist die Verantwortung die man trägt: Hat man alles richtig verstanden? Tut man jemandem Unrecht mit einem Kommentar? Trügt das Bild?
Leider war es eine Vorgabe, so viele O-Töne in der Slideshow zu haben. Sie geben zwar einen sehr guten auditiven Eindruck von den Personen, lenken aber auch den Erzählstrang ab. Mir hätte es besser gefallen, größtenteils selbst durch die Geschichte zu führen, denn dadurch kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren und Ereignisse raffen. Aber trotzdem: Diese Form hat ein unglaubliches Potential. Ich hoffe wirklich, dass ich sie in Zukunft mehr einsetzen kann.
Veröffentlicht am 01. Jun. 2010. in [/Eigene_Projekte]
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Obwohl ich für das Schneiden von Audio-Slideshows sehr gerne mit Soundslides arbeite, war ich schon immer auf der Suche nach einem Videoschnittprogramm, das einfach zu bedienen ist, nicht zu teuer und trotzdem ausreichende Qualität liefert. Gestern habe ich nun Sascha Klettke bei einem Workshop vom VDZ Zeitschriften Akademie getroffen und sein Tipp war Magix Video Deluxe. Tatsächlich sind einige Videos bei Spiegel Online damit geschnitten. Möglicherweise eignet sich das Programm für Audio-Slideshows besonders, weil angeblich der Tonschnitt besonders gut und umfangreich gelungen ist. Wer Erfahrungen mit dem Programm hat, bitte unbedingt in den Kommentaren mitteilen! Danke!
Und dann war da noch Regina McCombs, eine amerikanische Multimedia-Pionierin, die einen ganzen Haufen spannender Multimedia-Projekte präsentierte. Viele davon findet man in ihrem prall gefüllten Delicous-Account. Bei Twitter ist sie auch.
Veröffentlicht am 17. Feb. 2010. in [/Journalismus/Nachrichten]
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Manchmal werde ich gefragt, welche Themen denn für die Audio-Slideshow besonders gut geeignet sind. Ich quäle mich immer mit dieser Frage, weil ich es schade fände, wenn durch solche Festschreibungen viele Themen gar nicht mehr ausprobiert werden. Aber man kann nicht leugnen, dass es Themen gibt, die in einer Audio-Slideshow einfach immer gut funktionieren. Künstler z.B., die über ihre Werke sprechen. Noch besser ist es dann natürlich, wenn die Vermischung von Tönen und Bildern selbst Thema des Künstlers ist, so wie bei der synästhetischen Malerin Christine Söffing. Kollege Fabian Schweyher hat einen kurzen und richtig guten Beitrag über sie für die ARD gemacht: Wenn Klaviertöne kunterbunt werden Auch der Einsatz von Text und Archivfotos für die Vermittlung von sachlichen Hintergrundinformationen ist gut gelungen.
Veröffentlicht am 13. Jan. 2010. in [/Journalismus/Multimedia-Reportagen]
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Ein paar Berichte zum Reporterpreis und über meine Arbeit sind in den letzten Wochen noch aufgetaucht bzw. mir zugespielt worden. Man erlaube mir in meiner Freude, dass ich sie hier in aller Eitelkeit ausbreite:
Das Reporterforum eine wirklich schöne Audio-Slideshow über die Preisverleihung zum Download (Quicktime, 44MB) bereitgestellt.
Das RBB-Medienmagazin hat einen Beitrag (MP3, 54MB) zum Preis und ein kurzes Gespräch über Audio-Slideshows mit mir gesendet.
Die Berliner Zeitung hatte einen längeren Bericht über meine Arbeit (Fotos mit Ton), der auch auf der Medienseite der Frankfurter Rundschau erschienen ist und über den Perlentaucher ein breites Publikum gefunden hat.
Ein weiteres Interview zu meiner Arbeit hat Jonas Schaible in seinem Weblog veröffentlicht, den ich auf der Preisverleihung in Berlin kennengelernt habe. Er war ebenfalls für die Beste Webreportage nominiert.
Und besonders gefreut hat micht die freundliche Erwähnung bei Mixology, dem Magazin für Barkultur. Das sind immerhin echte Fachleute für Kneipen.
Die Rede von Stefan Niggemeier bei der Preisverleihung und meine kurzen Dankesworte und Erklärungen zur Audio-Slideshow liegen zum Download auf meinem Server (MP3, 4MB).
Veröffentlicht am 30. Dec. 2009. in [/Interna]
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Gestern abend wurde ich für mein Portrait der Szenekneipe X-Cess mit dem Deutschen Reporterpreis 2009 ausgezeichnet. Wie manche bemerkt haben, habe ich mich darüber wahnsinnig gefreut: Für mich fühlte es sich so an, als wären mit einem Schlag alle meine Bemühungen der letzten fünf Jahre gewürdigt worden, nicht nur eine einzelne Reportage:
Am Anfang z.B. meine glücklosen Versuche, Ton in einen scrollbaren Text hineinzubekommen. Dieses Format habe ich zuerst an einem Prototypen, später an einer Testreportage über den Hauptbahnhof und dann zum WM-Finale 2006 für das jetzt-Magazin umgesetzt.
Aufsätze zur Audio-Slideshow wie z.B. die Typologie der Audio-Slideshow oder den Unterschieden zwischen Video und Audio-Slideshow. Stundenlanges Grübeln ob die Slideshow ein Medium oder ein Format ist und tagelanges Lesen von medienwissenschaftlichen Aufsätzen und immer wieder die Suche nach Beispielen und die Analyse von Slideshows anderer.
Einer der lustigsten und dämlichsten Experimente war, als ich ausprobieren wollte, ob man auch eine Art Live-Audio-Slideshow machen kann. Dazu habe ich mir eine automatisch auslösende Kamera und ein Aufnahmegerät auf den Kopf montiert und bin nach unten auf die Straße. Testweise auch noch einen Rundgang durch die nächste Wirtschaft. Die Leute schauten sich verwundert um und meine Freunde lachten sich kaputt.

Eine völlig gescheiterte Slideshow aus Indien, die ich bei bester Mühe nicht so hinbekam, dass man sie verkaufen konnte und nach der mir meine komplette Kameraausrüstung geklaut wurde.
Das sind die Momente, denen ich gestern in meiner Phantasie diesen Preis verliehen habe. Das sollte erklären warum ich mich so gefreut habe. Und ich hoffe, dass mir der Preis die Motivation und auch die finanziellen Möglichkeiten gibt, auch in den nächsten Jahren viele dieser Momente zu haben. Denn nur aus diesen Momenten des Scheiterns entstehen die schönen und leichtfüßigen Reportagen, auf die man als Journalist irgendwann einmal stolz sein kann.
Und hier der original Wortlaut der Jury-Begründung:
Mit dieser Audio-Slideshow gewann Matthias Eberl den Reporterpreis 2009 - Kategorie Online. Eberl porträtiert mit einem Ton amüsanter Beiläufigkeit den Wirt einer Münchner Künstler-Kneipe. Die Jury hat an Eberls Geschichte beeindruckt, dass sie brillant erzählt ist, dass sie bis zum Ende spannend und überraschend bleibt, dass sie ihrer Hauptfigur genug Raum lässt, und, vor allem, dass sie technisch auf hohem Niveau produziert wurde. Mit Bildern, O-Tönen und Geräuschen aus der Kneipe schafft Eberl eine dichte Atmosphäre, die in dieser Form nur im Netz funktioniert, nicht in einer Print-Reportage. Die Jury bedauert, dass diese Reportage auf süddeutsche.de nur in verkürzter Form zu sehen ist.
Mehr Berichte:
Spiegel Online
sueddeutsche.de
Kress.de
Stefan Niggemeier
muenchenblogger
Veröffentlicht am 08. Dec. 2009. in [/Interna]
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Ich wurde schon oft gefragt, ob es nicht auch ein Online-Tool gibt um Audio-Slideshows zu erstellen, also eine Art Flickr mit Ton. So ein Programm ist zwar für den journalistischen Gebrauch nicht besonder interessant, aber es könnte helfen, die vertonte Slideshow auch für Privatanwender interessant zu machen. Photopeach hat nun einen ersten Versuch gewagt, natürlich noch Beta wie es sich gehört. Funktioniert soweit ganz gut - allerdings kann man Bilder nicht unterschiedlich lange zeigen. Dadurch eignet sich Photopeach eigentlich nur für die Untermalung mit Musik.
Veröffentlicht am 16. Nov. 2009. in [/Kunst/Nachrichten]
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