Schloss auf einem Hügel
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Text. Bild. Ton.
Diese Seite berichtet von München aus über Multimedia, digitales Storytelling und Kunst im Netz. Und stellt eigene Entwicklungen in diesem Bereich vor.

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Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, auf einer der ersten Seiten im WWW.





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Eigenes Projekt: Eine neuartige, multimediale Darstellungsform

Das Geheimnis der Treppe von Aragon


Ds Geheimnis der Treppe von Aragon 1. Abstract
2. Konzept
3. Umsetzung
4. Techn. Vorraussetzungen
5. Weiterentwicklung

Reportage laden

1. Abstract

Das Ziel dieser multimedialen Erzählung war es, eine neue Darstellungsform zu testen. Der Schwerpunkt liegt also auf der technischen Demonstration, während der Text, der Ton und das Design stark vernachlässigt wurden.
Das Ziel der Darstellungsform ist es, das sequentielle Korsett aufzuheben, das die meisten audiovisuellen Medien, vor allem Radio und Fernsehen, mitbringen. Wie bei Zeitung, Buch oder herkömmlicher Website soll die Rezeptionsgeschwindigkeit vom Leser gesteuert werden. Der Leser soll scannen können, er soll überfliegen können. Er soll irgendwo einsteigen können, z.B. bei einem Bild, das ihn interessiert.
Der Text ist deshalb bei dieser Form weiterhin das Trägermedium. Ton und bewegte Elemente sind in den Text integriert und starten in Abhängigkeit vom Scrollbalken. Dem Leser werden so zum Text passende Geräusche, Atmosphäre, einzelne Interviewsätze oder Hintergrundmusik geliefert. [top]

2. Konzept der Darstellungsform

Wenn eine neue Technologie entwickelt wird, dann wird Bestehendes oft ohne Modifikation auf die neuartige Technologie übertragen. Als die Medienanbieter das Internet für sich entdeckten, haben sie nichts anderes gemacht: Die Zeitungen und Magazinen stellten Texte mit Bildern ins Netz, die Radiosender publizierten ihre Radiobeiträge und bei Fernsehsendern konnte man einzelne Features oder Sendungen abrufen.

Dabei gibt das Web die Möglichkeit zu neuen Verbindungen von Text, Bild und Ton, die neue Vorteile mit sich bringen. Fast alle bisherigen Multimediaformen haben nämlich eines der wichtigsten Vorteile von Text über Bord geworfen: die Freiheit der Rezeptionsgeschwindigkeit. Gerade im Internet ist diese aber wichtig: Durch die Fülle des Informationsabgebots wollen Leser Texte scannen bzw. überfliegen, anlesen oder in der Mitte erst einsteigen. Für seqentielle Formate, wie einen Film, ist im Internet oft nicht die Geduld vorhanden.

Wenn mit neuen audiovisuellen Reportagen im Internet experimentiert wird, stellt man meistens das Fernsehen nach und legte über stehende Bilder oder kurze animierte Sequenzen einen Sprecher, Geräusche oder Musik. In diesen vertonten Diashows ist der Leser wieder dem sequentiellen Korsett ausgeliefert. Wenn er Glück hat, kann er einzelne Sequenzen überspringen.

Integriert man jedoch möglichst kleine Einheiten von Video und Ton in den Text, bleibt dessen größter Vorteil erhalten, ohne dass die Vorteile von Video und Ton wegfallen. Durch die individuell steuerbare Rezeptionsgeschwindigkeit sind die Texte außerdem auch ?scanbar?. Text ist daher das geeignete Trägermedium, und in ihn müssen die audiovisuellen Elemente integriert sein, nicht andersherum. [top]

3. Umsetzung

Text bekommt erst durch den Leser eine zeitliche Ausdehnung. Wollte man bisher in den Leseablauf audiovisuelle Elemente platzieren, musste der Leser diese per Mausklick starten. Das mag bei wenigen wichtigen Ton- oder Filmelementen funktionieren. Aber für eine komplexe Reportage mit Hintergrundatmosphäre, Geräuschen und Sprachelementen muss sich der Leser auf die Erzählung konzentrieren können, während die audiovisuellen Elemente automatisiert gestartet werden. Eine Reportage darf keine Klickorgie sein. In meiner Beispielreportage wird die Position des Scrollbalkens per Javascript ausgelesen. Den unsichtbar integrierten Flashfiles (vorwiegend Audioelemente, aber auch bewegte Bilder) sind entsprechende Start- und Endwerte zugeordnet.
Die Erstellung solcher Reportagen ist durch objektorientierte Programmierung relativ einfach. Die Elemente werden in den HTML-Code eingefügt und im Javascript-Bereich werden ihnen Start- und Endwerte zugewiesen, die zuvor an einer Kontrollanzeige abgelesen wurden. Da der Text selber mit HTML formatiert wird, können diese Reportagen problemlos in bestehende Layouts eingepasst werden. Der Reporter muss sich nicht um die äußerliche Gestaltung der Reportage kümmern. Die Navigationselemente, einer der Hauptarbeiten bei Flash-Reportagen, liefert größtenteils der Browser.
Um eine genaue Zuordnung von Text und Ton zu ermöglichen, müssten die Textabsätze weiter auseinandergeschoben werden. Der jeweils bespielte Textabsatz wird als Orientierungshilfe für den Leser rot umrandet.[top]

4. Technische Vorraussetzungen

Der Leser muss einen aktuellen Browser aus dem Jahre 2004 besitzen das heißt mindestens: Mozilla 1.4, Opera 7.1x, Internet Explorer 6 oder Netscape 7.1. Auf Apple Macintosh-Rechnern funktioniert die Steuerung von Flashobjekten noch nicht. Bei weiteren Experimenten soll dieses Problem aber gelöst werden, indem Tonelemente mit dem Quicktime Plugin abgespielt werden.
Je nach Größe des Textes und der Menge der Elemente muss ein relativ schneller Rechner vorhanden sein. Ein Gigahertz sollte aber gut reichen.[top]

5. Weiterentwicklung

Schon jetzt habe ich zahlreiche Ideen und Wünsche für die Weiterentwicklung. Das Wichtigste und Schwierigste wird es sein, narrative Konzepte für die bisher nur technisch erfolgte Lösung zu entwickeln. Es hat sich gezeigt, dass es weitaus anspruchsvoller ist, mit dieser neuen Form eine Geschichte zu erzählen. Ton und Text sollten sich ergänzen, aber nicht redundant wirken. Die Länge der Texte muss stimmen, um die Spannung tragen zu können. Und wie kann emotionale Involvierung erzeugt werden? Auf der technischen Ebene plane ich eine Ersetzung der Flash-Dateien mit MP3-Dateien, die mit dem Quicktime-Plugin gesteuert und eingebettet werden. Dann sind alle verwendeten Technologien kostenlos, und die Integration ist einfacher. Außerdem werden die Reportagen dann auch auf einem Mac laufen.
Für spätere Reportagen soll außerdem die intuitive Steuerung noch weiter verbessert werden. Die Absatzlänge soll einheitlich werden und zusätzlich zum Scrollrad soll absatzweise weitergerückt werden können.
Auch die Laderoutinen müssen verbessert werden, um dem Leser die Länge der Ladezeit anzuzeigen.[top]

Veröffentlicht am 03. Aug. 2004. in [/Eigene_Projekte] Kommentare: 10

majo wrote at :

Die Idee halte ich nach wie vor für sehr spannend, wie du weisst. Möglicherweise bietet sich eine eher filmische Erzählform bzw. deren Weiterentwicklung an: Ton/Bild-Bezug, Länge, Dramaturgie usw. sind da schon gelöst. Ich denke mal drüber nach.

Matthias wrote at :

Hallo Majo, endlich meldet sich mal wer in meinem Weblog! Sicher kann man sich beim Film inspirieren lassen, vor allem was die Dont's bei Bild und Ton angeht. Aber dann wiederum: Beschreiben ist in einer Textreportage essentiell, im Film aber oft überflüssig. In dieser Form aber? Ich muss jetzt versuchen, die Sache für Mac's zum laufen zu bringen, z.B. mit dem Quicktime-Plugin. Auf Flash-Animationen muss ich dann aber verzichten. Aber egal. Dann werde ich mal eine ordentliche Reportage planen, wo ich mich dem Narrativen zuwende. Bin auf jeden Fall gerade voller Tatendrang.

Holger wrote at :

Ein interessantes Experiment. Technisch hab ich 's am Firefox 0.9.1 nicht zum laufen gekriegt, am IE ging's aber.Die Übergänge zwischen den Sounds waren gut und passend zum Bild - erinnerte mich irgendwie an die guten alten Adventures (Monkey Island, DOTT, usw). ;-)Meine Kritik: Der lineare Handlungsstrang bleibt komplett erhalten. Bei Deiner Story muss das ja auch so sein: Wenn ich nicht oben anfange, dann fehlt mir später der Kontext. Schön aber: Wie dem Leser die Geschwindigkeit überlassen wird. Außerdem gibt es eine Spannung, was wohl als nächstes passieren mag. Vielleicht könnte man sogar auf die Steuerung rechts verzichten, damit man noch mehr "entdecken" muss.Hast Du mal daran gedacht, das mit SMIL zu realisieren?

Matthias wrote at :

Hallo Holger,danke für Deinen Input. Firefox habe ich nicht getestet, ich dachte, wenn es mit Mozilla geht ...Das mit dem linearen Handlungsstrang siehst du glaube ich zu streng. Kein Text ist dafür gedacht, dass man irgendwo einsteigt, aber bei einer Zeitungsreportage tut man das auch. Ich kann mir gut vorstellen, dass jemand in der Mitte anfängt zu lesen, etwa weil das Bild mit der Tropfsteinhöhle ihm gefällt. Dann kann er nacher da von oben noch nachlesen, oder er lässt es eben weg, und denkt sich seine Ergänzung aus. Mein Text ist also nicht die alte autorenseitige Erfüllung vom Hypertext, der beliebig durchwanderbar ist, sondern nur ein Anpassung an leserseitige, praktische Gewohnheiten bei den Printmedien. Die Steuerung rechts werde ich zukünftig allein deswegen weglassen, weil sie zu aufwendig ist. Sie muss getrennt von den Tönen programmiert werden (gut könnte man evtl besser lösen). Aber es reicht, wenn man dem Leser einen "Ton aus" Knopf bietet. Oder? SMIL habe ich mir mal kurz angeschaut, aber es scheint mir eine eigene Auszeichnungssprache für Präsentationen zu sein. Soweit ich weiß gibt es keine Browser, die SMIL beherrschen, oder? Kennst Du dich da besser aus und meinst ich sollte mir das nochmal genauer ansehen?

fab wrote at :

bei mir im feurigen fux ging die reportage 1a.

PrayMantisPray wrote at :

Bei mir liefs auch gut auf firefox (092)Im übrigen fand ich das Experiment sehr schön anzuschauen. Die ohnehin spannende Erzählung profitiert sehr von dieser Art von Darstellung. Mir hätte es noch besser gefallen, wenn ich noch stärker in die Bilder hätte eintauchen können. Die seperaten Textpassagen reissen einen doch etwas aus der Atmosphäre heraus und die Bilder sind für mein Empfinden nicht präsent genug (zb die schwarzen Bilder waren sehr gut um die Dunkelheit und Orientierungslosigkeit in der Höhle zu vermitteln, aber ich empfand sie als zu klein, um einen richtig "einsteigen" zu lassen). Ich bin gespannt, in wie fern sich deine Darstellungsform für Berichterstattung, jenseits von Emotionalisierung eignet ... meinst du, man könnte auch bildende, erziehende Informationsleistungen erziehlen?

Matthias wrote at :

Das schwierige ist, eine flüssige Reportage zu gestalten, die an jeder Stelle die passenden Töne und Bilder bereithält. Dazu muss so etwas sehr gut geplant sein. Größere Bilder sollte machbar sein. Vielleicht kann man den Text auch in einer kleinen Spalte neben den bildern laufen lassen. Aber eigentlich soll der Text ja das Hauptmedium bleiben. Fragt sich, ob das funktioniert. Ich habe einen Aufsatz vorbereitet, der die Verwendung für Visuelle Ethnologie bedenkt. Auch für Erziehung oder Bildung wäre das denkbar, vor allem weil die erstellung einfach und schnell ist. Allerdings kann man die Tondokumente dann auch zum Anklicken einbauen, oder per Quicktime Plugin (das werde ich hier demnächst mal erklären. Das ist wesentlich einfacher und für den Leser angenehmer. Der automatische Start ist ja primär zur emotionalen Untermalung. Aber da muss man sehen, wie es der Leser haben will. Vielleicht ist es auch angenehmer, einen wissenschaftlichen Text meinetwegen über indischen Tanz zu lesen, und die Filmsequenzen starten automatisch.

tom wrote at :

"...Ich muss jetzt versuchen, die Sache für Mac's zum laufen zu bringen, z.B. mit dem Quicktime-Plugin. Auf Flash-Animationen muss ich dann aber verzichten. "Du kannst Flash als einen trck in ein QuickTime Movie einbauen und per QuickTime Plugin abspielen. Zum starten:

tom wrote at :

Zum starten: www.apple.com/quicktime/tools_tips/tutorials/flashtracks.html

Joerg wrote at :

Hallo Matthias,

vielleicht hab ich einiges übersehen in der Schacht-Geschichte. Allerdings spielte bei mir nur dann etwas ab, wenn ich mit der rechten Maus in Bilder klickte (zwei) und "Abspielen" sagte. Ist das der Plan? Falls es eine "Bedienungsanleitung" gibt, habe ich sie nicht gelesen. wer macht das schon. Bei dem Text, bei dem "Originialaufnahme" steht passierte nichts. Ich habe Win 98, IE 6.0.

Grüße

Jörg


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