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Diese Seite berichtet von München aus über Multimedia, digitales Storytelling und Kunst im Netz. Und stellt eigene Entwicklungen in diesem Bereich vor.

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Ein Beitrag vom Deutschlandradio

Die Welt der akustischen Illusionen

Die Welt ist chaotisch - akustisch gesehen. Von überall dringen Klänge und Geräusche ans menschliche Ohr. Um aus diesem Chaos Sinn herauszufiltern, muss das Gehirn laufend interpretieren, vermuten und Hypothesen aufstellen. Für gewöhnlich funktioniert das bestens. Manchmal aber geht der Mensch seiner Wahrnehmung komplett auf den Leim: Dann werden wirre Klangfolgen plötzlich zu glatten Melodien. Oder es tauchen "Phantomklänge" auf, Geräusche, die eigentlich gar nicht da sind. Aber es gibt auch Profis, die das Ohr ganz bewusst übers Ohr hauen - um im Kino möglichst perfekt zu unterhalten.

Deutschlandradio: Wie uns das Ohr übers Ohr haut (MP3).
Via Oscillations & Resonances

Veröffentlicht am 04. Feb. 2009. in [/Wissenschaft/Theorie] Kommentare: 0


Erzählerische Spezifika des Mediums Audio-Slideshow

Die Audio-Slideshow und der Tod im Photo

Ein uralter Gag in zahlreichen Spielfilmen ist es, die Medialität des Films in die von ihm erzählte Geschichte hineinplatzen zu lassen, so wie z.B. bei dieser Kamerafahrt in der Komödie Höhenkoller (High Anxiety) von Mel Brooks:

)

Aus medientheoretischer Perspektive sind diese Gags (hier eine Übersicht) sehr interessant: Sie funktionieren nur, weil der Film beim Erzählen traditionell seine Vermittlungsfunktion verschleiert, mit der er die Geschichte an den Zuschauer vermittelt. Die Kamera sollte normal nicht zu sehen sein. Während der Roman nicht selten seine Vermittlungsfunktion betont und inszeniert, um für den Leser die Wahrhaftigkeit der Geschichte vorstellbarer zu machen, z.B. durch eine Rahmenhandlung wie in Umberto Ecos "Der Name der Rose", erzielt der Film seinen Wirklichkeitseindruck durch die konsequente Vermeidung aller Anzeichen, die verraten könnten, dass er überhaupt ein Medium ist.

Als ich vor einigen Tagen eine ordentlich misslungene Audio-Slideshow produziert habe, machte ich auch den Fehler, mich völlig unüberlegt am Film zu orientieren. Ich verschleierte die Aufnahmesituation und konfrontierte die Protagonistin direkt mit dem Zuschauer. Die Geschichte wird wie in vielen zeitgenössischen Dokumentarfilmen ohne Off-Sprecher vermittelt. Als ich mit Dirk von jetzt.de diese Audio-Slideshow besprach, war ein eher beiläufig geäußerter Kritikpunkt: "Warum hast Du nicht ein Photo von der Interviewsituation gemacht?"
Intuitiv gefiel mir die Idee. Aber warum verlangt man als Zuschauer nach den Spuren der Aufzeichnung, nach Bildern mit Mikrofon und Aufnahmegerät? Nach einigem Nachdenken erinnerte ich mich an die Überlegungen, die der französische Medienphilosoph Roland Barthes über die Photographie angestellt hat: In seinem berühmten Werk Die helle Kammer stellt er die These auf, dass Photographien nicht Wirklichkeit wiedergeben, sondern vergangene Wirklichkeit und in ihrem eigentlichen Wesen dem Tod verwandt sind. Jede Photographie sei eine Erinnerung an den Tod, ein memento mori, weil sie etwas über das aussagt, was gewesen ist. Diese Eigenheit des Photos überträgt sich auf die Audio-Slideshow und erzwingt eine stärkere Vermittlung in das Vergangene.

Der Film als mimetische Erzählung (showing) gibt sich also als unvermittelte Erzählung oder, wie man sagen könnte, als kurzfristig von der realen Zeit befreite Gegenwart aus. Die Audio-Slideshow mit ihren Photographien ist dagegen stärker eine diegetische Erzählung (telling), die eine zeitlich vergangene Situation schildert. Sie kann nicht wie der Film eine Gegenwartswahrnehmung imitieren, sondern benötigt viel stärker einen Erzähler oder eine Erzählinstanz, die zur Vergangenheit der Photos vermitteln muss - umso glaubwürdiger, umso realer wird die Geschichte. Damit folgt die Audio-Slideshow vielleicht am stärksten der oralen Erzählsituation, die vor der Erfindung des Buchdrucks das vorherrschende narrative Format war.

(Mehr dazu auch in meinem Kommentar bei onlinejournalismus.de).

Veröffentlicht am 08. Oct. 2007. in [/Wissenschaft/Theorie] Kommentare: 3


Radiobeitrag zu medientheoretischen Überlegungen von Lev Manovich und Tilman Baumgaertel

Erzählte Zeit in Film und Computerspiel

bewegung_baumgaertel.gif Der Angriff des Computers auf das Erzählkino (MP3, 27min) ist ein halbstündiges Radio-Feature, das eine Krise der Zeit im Film konstatiert und das Computerspiel als Ursache dieser Änderung sieht. Der Beitrag zitiert zahlreiche Stellen aus dem längeren Aufsatz des Medienwissenschaftlers Lev Manovich, der 1997 bei Telepolis veröffentlicht wurde: Was ist digitaler Film?. In dem Beitrag wird die These aufgestellt, dass das Compuzterspiel die lineare Narration des Films mehr und mehr auflöst.

Obwohl der Beitrag großartig und informativ ist, gefällt mir die etwas unsaubere Trennung zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit nicht. Die Unterschiede im Inhalt und in der Rezeption werden durcheinandergeworfen. Ein Buch ist in der Rezeption ebenso wie ein Computerspiel zeitlos, der Film und der Ton hingegen determiniert. Das ändert nichts daran, dass die inhaltliche Zeit bei Computerspiel, Film oder Buch frei definierbar ist. Wenn es hier Brüche und Änderungen gibt, so wie bei "Und täglich grüßt das Murmeltier" oder "Memento", dann ist das viel eher Zeichen dafür, dass ein Medium und sein Publikum bereit für Experimente sind. Genau das ist es aber, was dem Computerspiel weitgehend fehlt und wenn, dann als Entlehnung aus dem Film oder dem Comic auftritt. Verwirrungen in der linearen Erzählzeit, der Bruch von Genrekonventionen und Reflexionen über die eigene Medialität sind Eigenschaften, die sich beim Computerspiel gerade erst zu entwickeln beginnen.
Das Bild habe ich auf einer Kursbeschreibung über visuelle Spielzeuge im 18. und 19. Jahrhundert von Baumgaertel gefunden.

Veröffentlicht am 14. May. 2006. in [/Wissenschaft/Theorie] Kommentare: 0


Schöne visuelle Anekdote

Die Entstehung des Hörspiels

hoerspiel_1924.jpg

Wie jedes neue Medium ahmten auch der Rundfunk und seine Mitarbeiter anfangs die bekannten künstlerischen Ausdrucksformen nach. Die Akteure des Sendespiels "Wallensteins Lager" kleideten sich Ende 1924 für eine Reihe von Szenenfotos extra in Kostüme und zeigten damit die Nähe ihrer Kunst zur klassischen Theateraufführung.


Deutsches Rundfunkarchiv: Bilder zur Geschichte des Rundfunks bis 1945

Veröffentlicht am 14. May. 2006. in [/Wissenschaft/Theorie] Kommentare: 0


Wissenschaftliche Analyse von aktuellen Multimedia-Formen im Journalismus

Die Elemente fürs digitale Erzählen

The Elements of Digital Storytelling ist eine Seite des Instituts für New Media Studies an der Universität von Minnesota. Eine sehr theoretische Annäherung an multimedialen Journalismus, mit Begriffserklärungen und Definitionen. Auch zahlreiche Beispiele und Hinweise für den inhaltlichen Aufbau. Ein gewisser Fokus liegt allerdings auf informativer Multimedia und Infografiken, weniger auf dem Storytelling.

Veröffentlicht am 07. Oct. 2004. in [/Wissenschaft/Theorie] Kommentare: 0




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