Schloss auf einem Hügel
Rufposten
 
Text. Bild. Ton.
Diese Seite berichtet von München aus über Multimedia, digitales Storytelling und Kunst im Netz. Und stellt eigene Entwicklungen in diesem Bereich vor.

Rufposten wird betrieben von Matthias Eberl.
Über mich
Kontakt



»Put up some data.
Suggest someone else does.
Manage a subject area.
Write some software.
Tell your friends.«
Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, auf einer der ersten Seiten im WWW.





RSS Feed





Farbiges Blinkenlights in München

All Colors Are Beautiful

acab_pixelpate.jpg Rufposten ist jetzt Pixelpate bei der weltweit ersten farbigen Blinkenlights-Installation vom Chaos Computer Club im neuen Künstlertreff Puerto Giesing: All Colors are Beautiful beginnt am 10. August, Animationen können demnächst online erstellt werden.

Veröffentlicht am 05. Aug. 2010. in [/Kunst/Multimedia] Kommentare: 0


Fiktive Audio-Slideshows

Am Rande des Rollfelds

la_jetee_poster.jpg Noch viel seltener als im Journalismus wird die Kombination aus Foto und Ton im fiktiven Bereich eingesetzt. So selten, dass mir eigentlich nur ein einziges Beispiel einfällt: La Jetée (Am Rande des Rollfelds), ein französischer Kurzfilm von Chris Marker (Wikipedia | Youtube mit dt. Untertiteln).

La Jetée ist sehr klug gemacht: Die spezielle mediale Wirkung der Fotos wird für die Geschichte genutzt: Ein Mann muss von einem unterirdischen Labor aus Zeitreisen unternehmen. Er kommt aber nicht wirklich in Raum und Zeit an, er wird zum Geist seiner Geliebten. Und so geht es natürlich auch dem Rezipienten, der in die stehenden Fotos nicht hineinkommt wie in einen gegenwärtig rezipierten Film. Höhepunkt des Werks ist eine sekundenlange Filmsequenz der Geliebten. Die Sehnsucht des Protagonisten nach Gegenwärtigkeit wird durch diesen Medienwechsel auch im Rezipienten auslöst. La Jetée ist dadurch eigentlich eher eine Hommage an die Medialität des Films.

Und La Jetée orientiert sich überraschend stark an filmischen Traditionen: Die Kamera wird nicht intradiegetisch thematisiert, die Fotos sind einfach da und wir schauen zu. Es gibt Schauspieler, die vor der Kamera stehen und es gibt Schwenks über die Fotos. Diese filmischen Elemente wären in der fiktiven Audio-Slideshow verzichtbar, das zeigen die journalistischen Experimente.

Das Werk gilt als Experimentalfilm, es stammt von einem Filmemacher, es wird als historisches Beispiel an Filmhochschulen gezeigt. Immer taucht es in der Filmgeschichte auf, was mich überrascht. Die Tradition der Fotografie hat sich anscheinend nie selbstständig für dieses Werk interessiert, vielleicht auch ganz allgemein nicht für das Erzählen von fiktiven Geschichten mit Ton. Obwohl es so naheliegend wäre, die Tradition des Hörspiels mit Fotos zu erweitern. Eine Aufgabe für multimediale Erzähler und Künstler, die also durchaus noch offen ist.

Veröffentlicht am 01. Aug. 2010. in [/Kunst/Multimedia] Kommentare: 0


Dieser Klassiker der Audio-Slideshow hat 35 Minuten

Die Frage der Länge

Ich werde oft gefragt, wie lang eine Audio-Slideshow sein muss. Meine Antwort: Wenn man es sich leicht machen will 3-5 Minuten. Alles darüber hinaus verlangt narrative Planung.

Es gibt sicher keine Standardlösung für den Spannungsaufbau, wenn man zehn Minuten oder zwanzig Minuten erzählen will. Aber es geht: Der beste Beweis ist eine der ältesten Audio-Slideshows, I Photograph to Remember, ein frühes Werk aus dem Jahr 1993, das zunächst auf CD erschien.
pedro_meyer_vater_fliegt.jpg


Die essayistische Erzählung des mexikanischen Fotografen Pedro Meyer nimmt sich viel Zeit und trotzdem fesselt sie den Zuschauer über eine Länge von 35 Minuten. Natürlich liegt das an der Erzählstimme, der man gerne zuhört. Auch an dem Gegenstand der Erzählung, eine prototypische Familiengeschichte aus dem 20. Jahrhundert, die sehr menschlich über Kindheit, Krieg, Liebe und Tod erzählt. Aber es ist vor allem das erzählerische Geschick von Pedro Mayer, wie er einzelne Momente seines Lebens in Bild und Text aneinanderreiht und sie pointiert mit Emotionen oder Erkenntnissen füllt. Für mich am schönsten war das auf den ersten Blick belanglose Foto des Vaters, wie er auf einem Sessel mit den Händen schlägt und so tut als wären es Flügel. Was die Erzählung in kurzer Zeit in diesem Bild an Gedanken und Emotionen über das Leben, über Hoffnung, über Träume und über Erziehung öffnet, ist fantastisch. Wer diese Kunst beherrscht, dem höre ich auch zwei Stunden zu.

Veröffentlicht am 26. Jul. 2010. in [/Journalismus/Multimedia-Reportagen] Kommentare: 0


Beiträge zum Lumix Multimedia Award

Nachtrag zum Lumix-Festival

Vor einigen Wochen hat in Hannover das Lumix Foto--Festival stattgefunden und dort wurde ein Preis für Multimedia-Produktionen vergeben. Die Beiträge konnte ich mir vor Ort alle auf einem großen Bildschirm mit Kopfhörern anschauen. Sie sind alle sehenswert und waren teilweise weit über dem üblichen Niveau in Deutschland. Einige davon gibt's auch im Internet. Hier eine Liste meiner Favoriten:

Toy Town lumix_toytown.jpg

Roberto Boccaccino über die Stadt, in der Lego zu Hause ist. Schönes Beispiel, dass man mit Fotos und Musik immer noch eindrucksvolle Audio-Slideshows machen kann, die eine künstlerische Botschaft tragen.

Where Beauty Softens Your Grief lumix_beauty.jpg

Ein wunderbare Geschichte über die Schönheit der Toten. Gianni Cipriano fügt Musik, Geräusche und sehr gute Fotos mit einem streckenweise durchaus abstrakten und informativen Interview perfekt zusammen, so dass es eine fesselnde Geschichte ergibt. Und selbst fürs Ende hatte der Autor noch eine kreative Idee.

A Life Alone lumix_life_alone.jpg

Auch bei Maisie Crow geht es um den Verlust: Ein alter Mann erzählt, wie sein Leben ist, seitdem seine Frau gestorben ist. Ein emotionales Thema, dass sehr unaufgeregt und technisch sehr gut produziert ist. Von allen Reportagen mit Videoabschnitten funktionieren hier die Übergänge am besten, weil die Person vor einer schwarzen Wand spricht. Im Gespräch mit Kollegen hatte ich das bereits theoretisiert: dadurch verliert das Videointerview seine zeitliche und räumliche Einordnung und stört die vom Erzähler in den Bildern mühsam aufgebaute Vergangenheit der Bilder nicht so stark. Der sparsame Gebrauch von emotionaler Musik hebt das Portrait von anderen Werken aus den USA ab.

Against the Odds lumix_against_odds.jpg

Eine schöne, bewegende Geschichte über die Pflegemutter eines autistischen Kindes, mit tollem emotionalen Musikbett. Eli Meir Kaplan praktiziert hier einen ganz behutsamen Wechsel zwischen Foto und Film. Der Beitrag leidet aber etwas an einer zu großen Bild-Ton-Schere und einer schlechten Tonqualität.

Crow Creek Reservation lumix_crow_creek.jpg

Diese Audio-Slideshow von Mathias Christensen besticht durch extrem beeindruckende Fotos und das Thema ist durchaus spannend, aber beides findet leider nicht richtig zusammen. Die starken Fotos bestehen visuell mühelos den Wechsel mit den gefilmten Interviewpassagen, letztere sind aber nicht klar genug pointiert für die Geschichte. Störend für den europäischen Geschmack ist vielleicht die etwas aufdringlichen Klavierspur.

Jericos - a story of mud, smoke and velocity in the heart of the Amazon lumix_jericos.jpg

Diese faszinierende Arbeit von Anderson Schneider kombiniert großartige Schwarz-Weiß-Fotos mit Musik und Geräuschen. Sehr schön anzusehen!

Benidorm - Das verlorene Paradies lumix_benidorm.jpg

Diese Slideshow von Nicole Strasser wartet schon länger in meiner Linkliste auf eine Erwähnung in meinem Weblog: Ich war selbst einmal in Benidorm, aus der gleichen Neugierde an dieser kleinbürgerlichen Urlaubskultur. Und diese Reportage hat mir den Mikrokosmos Benidorms nochmal näher gebracht. Ein klassisches Portrait, sehr unterhaltsam, obwohl man nach ca. vier Minuten doch etwas einen Spannungsbogen oder einen narrativen Aufbau vermisst.

Veröffentlicht am 21. Jul. 2010. in [/Journalismus/Multimedia-Reportagen] Kommentare: 0


Haiti: Eroding Nation

Vorbildliche Einleitung für längere Audio-Slideshow

haiti_eroding_nation.jpgEin älterer Klassiker unter den Audio-Slideshows ist wieder online: Haiti, the eroding nation (von 2004). Die Zeitung hat glücklicherweise auf die vielen User-Anfragen reagiert und die Slideshow technisch erneuert, so dass sie wieder abspielbar ist. Beim erneuten Anschauen ist mir die Einleitung aufgefallen: Hier wird kurz und knapp der Inhalt der einzelnen Kapitel vorgestellt. Ich bin ja kein Freund von solchen unterteilten, interaktiven Multimedia-Beiträgen. Aber hier ist das wirklich gut gelöst. Mehr in meiner uralten Kritik zu der Reportage.

Veröffentlicht am 13. Jul. 2010. in [/Journalismus/Multimedia-Reportagen] Kommentare: 0


Diashow-Software im Test bei der c't

Alternativen zu Soundslides

Obwohl Soundslides neben Videoschnittprogrammen das wichtigste Programm ist, das profesionelle Journalisten für die Erstellung von Audio-Slideshows verwenden, lohnt sich evtl. auch ein Blick auf Alternativen. In diesem kostenpflichtigen Artikel der c't (0,70€, aus dem Heft 3/2010) werden einige Programme vorgestellt.

Veröffentlicht am 13. Jul. 2010. in [/Tech] Kommentare: 0


Audio-Slideshows von einem Rundfunk-Journalisten

Multimedia aus Gelsenkirchen

a40media_voregger_weiss.jpgNeu mit dabei im kleinen Kreis deutscher Multimedia-Journalisten sind zwei Gelsenkirchner: Der freie Radio-Journalist Michael Voregger hat bereits zwei schöne Lokalgeschichten auf seiner neu gegründeten Multimedia-Seite
a40media publiziert, die Fotos stammen von Andreas Weiss.

Eine der zwei Audio-Slideshows, ein Feature über eine Gewürzmühle aus den 30er Jahren ist ein denkbar schönes Thema, weil sich hier stimmungsvolle Motive mit spannenden Geräuschen kombinieren.
a40media_gewuerzmuehle.jpg

Der Ort und das Thema wird von einem heterodiegetischen Sprecher schön eingeführt und dann entspannt sich ein Radio-Feature mit Bildern, in dem auch zwei Protagonisten immer wieder zu Wort kommen. Eine Mischung, die selten im Bereich der Audio-Slideshow zu sehen ist, obwohl sie gut funktioniert.
Schon öfters ist mir aufgefallen, dass Slideshow-Produzenten aus dem Radiobereich ein besonders gutes Gespür für Pausen haben und so schweigt der Sprecher an einigen Stellen um Platz für die hörenswerten Geräusche zu machen - das ist vorbildlich. Die Verknüpfung zwischen Bild und Ton ist allerdings oft nicht gut gelungen, teilweise erzählt der Sprecher etwas und die Bilder helfen mir nicht, mir das vorzustellen. Auch die aufgezählten Gewürze hätte ich gerne im Moment ihrer Erwähnung gesehen und nicht am Ende zusammen mit dem unpassenden Geräusch einer Maschine. Insgesamt aber ein inspirierendes Beispiel, vor allem wegen der interessanten und gut gelungenen Mischung aus Sprecherstimme und Protagonisten.

Veröffentlicht am 21. Jun. 2010. in [/Journalismus/Multimedia-Reportagen] Kommentare: 0




Valid XHTML 1.0  Powered by Blosxom