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Text. Bild. Ton.
Diese Seite berichtet von München aus über Multimedia, digitales Storytelling und Kunst im Netz. Und stellt eigene Entwicklungen in diesem Bereich vor.

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Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, auf einer der ersten Seiten im WWW.





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Großartige Webdoku

Netwars

netwars.jpg

Netwars ist eine der besten Webdokus, die ich bisher gesehen habe. Nicht nur wegen dem spannenden Thema (Kriegsführung über das Internet) und der interaktiven Einbeziehung des Users, nicht allein wegen der technischen Finesse (kein Flash), sondern auch wegen den vielen Details, wie z.B. der liebevoll asynchronisierten Moderatorfigur (gespielt von Nikolai Kinski), die klar in der Tradition von Max Headroom, dem G-Man aus Halflife 2 und der wenig vertrauenswürdigen Computerstimme aus Portal steht.

Veröffentlicht am 19. Apr. 2014. in [/Journalismus/Multimedia-Reportagen] Kommentare: 0


Noch Plätze frei

Seminar Audio-Slideshow

Für das nächste zweitägige Fortbildungs-Seminar Audio-Slideshow am kfj in Salzburg sind noch Plätze frei. Freue mich sehr über Teilnehmer!

Veröffentlicht am 25. Feb. 2014. in [/Journalismus/Nachrichten] Kommentare: 0


Ein Template mit jQuery und HTML5

Scrollreportagen selber bauen

scrollreportage_screenshot.jpg

Als ich vor fast zehn Jahren meine ersten Experimente mit Scrollreportagen machte, war das ein gigantischer Aufwand. Mit objektorientierten Funktionen musste man die Kommunikation zwischen Javascript und der Flash-Sprache Actionscript regeln.

Mittlerweile sind die Scrollreportagen nicht nur weit bekannt, sondern technisch auch viel einfacher zu erstellen. Das liegt auch an jQuery: Das extrem populäre Javascript-Modul liefert einfache Methoden, um unabhängig von Browsertypen die Höhe des Anzeigefensters, die Position eines Elements oder die aktuelle Scrollmenge auszulesen.
$( window ).height()
$(this).offset();
$(window).scrollTop();
Der Rest ist einfachste Mathematik. Außerdem spart man sich komplizierte Schleifen, um durch alle Multimedia-Container zu zirkeln, ihre Position zu prüfen und zu starten. In jQuery hat man mit einer Zeile eine Funktion an eine Klasse gehängt.
$(".klasse").each(function(){
Durch HTML5 kann man außerdem auf Flash verzichten und die Multimedia-Elemente viel zuverlässiger starten, stoppen oder auf 0 zurücksetzen:
this.play();
this.pause();
this.currentTime=0;
Einziger Nachteil gegenüber Flash: Da nicht alle Browser die gleichen Codecs für den HTML5-Video-Tag und den HTML5-Audio-Tag unterstützen, muss man Videos in MP4 und WebM einbinden, Audio in MP3 und OGG.

Für ein Projekt habe ich nun ein sehr einfaches Template für so eine Reportage gebaut. Es steht zur freien Verfügung und ist mit zahlreichen Kommentaren im Quelltext gut erklärt. Wer ein bisschen Ahnung von HTML und Javascript hat, kann damit seine eigene Scrollreportage bauen.
Die Besonderheit bei dem Template ist, dass die einzelnen, visuell getrennten Abschnitte automatisch je nach Anzeigegerät so weit auseindergezogen werden, dass immer nur ein Abschnitt sichtbar ist. Sobald ein Abschnitt zentral liegt (zur Demo rot eingefärbt), werden alle Multimedia-Elemente, die sich darin befinden, automatisch gestartet.

Dieses Minimal-Beispiel kann relativ einfach mit jQuery-Plugins zu vollformatigen Slides erweitert werden, die beim Scrollen Einrasten. Auch Bewegungs-Parallaxe ist per Plugin möglich. Hier ein Überblick über diese Plugins.

Die technischen Hürden sind aber wie immer bei neuen Entwicklungen nicht das größte Problem. Scrollreportagen wie Snow Fall sind eigentlich in der Rezeption ein Desaster: Für den Rezipienten sind die Multimedia-Elemente so attraktiv, dass er das Scrollrad missbraucht, um den Text zu überspringen. Dadurch geht die Immersion in die Geschichte, die bei sequentiellen Medien wie Film oder Ton besonders hoch ist, kaputt. Das Problem hat bisher noch niemand gelöst - obwohl man es möglicherweise bewältigen kann, z.B. durch ultrakleine Zerteilung und Verknüpfung von Text und Multimedia. Dieses Problem war auch der Grund, warum ich mich 2006 der Audio-Slideshow zugewandt habe.

Update:
scrollreportage_fullpanel.jpg

Hier noch ein schönes Template für Fullpanel-Reportagen (mit vollformatigem Video). Geht sehr einfach mit dem jQuery-Plugin Onepage-Scroll.

Veröffentlicht am 20. Feb. 2014. in [/Eigene_Projekte] Kommentare: 0


Sascha Lobo und Terry Gilliams "Brazil"

Das absurde Randdetail zu dem bewegenden Sonntagsbeitrag in der FAS ist ja, dass Sascha Lobo immer noch keinen Key für Email-Verschlüsselung auf seiner Website anbietet. Gegen den Rat aller Experten, wie man am 30C3 gesehen hat. Er erinnert mich daher ein wenig an den tragischen Helden aus Terry Gilliams "Brazil", der sich impulsiv von seinen Träumen und Ängsten bewegen lässt, aber trotzdem unfähig bleibt, gegen das eigentliche gesellschaftliche Problem zu handeln.

Veröffentlicht am 14. Jan. 2014. in [/Journalismus/Nachrichten] Kommentare: 0


Sichere Emails und Social-Media

Was wir als Journalisten nach dem NSA-Skandal tun müssen

verschluesselung_enigma.jpg

Ich bin mir sicher, dass viele Journalisten in Deutschland seit einigen Wochen darüber nachdenken, ob wir uns weiterhin so sorglos wie bisher im Internet bewegen können. Kommunikation ist unser Beruf, deshalb sollten wir eigentlich beim Datenschutz ganz vorne stehen. Folgende Punkte sind für unseren Beruf zentral:

  1. Informantenschutz. Gerade weil wir auf Informanten angewiesen sind, die uns Vertrauen schenken, müssen wir wissen, wie wir unsere Informaten schützen können.
  2. Meinungsfreiheit. Selbst wenn gesichert wäre, dass die Überwachung der Geheimdienste für unsere Arbeit keine Konsequenzen hat, beengt das Gefühl, dass ein Dritter mitliest. Wir brauchen einen Raum für kritische Gedanken. Damit es keine Schere im Kopf gibt, ist es wichtig, dass Kommunikation auf Wunsch geheim und geschützt bleibt
  3. Privatsphäre. Als Journalisten können wir uns schnell Feinde machen. Deswegen sollten wir unsere eigene Privatsphäre schützen, um nicht Opfer einer Schmutzkampagne zu werden. Denn das kann im Lokaljournalismus genauso passieren wie im investigativen Journalismus auf internationaler Ebene.

Den staatlichen Schutz dieser Rechte kann man sicher über verbandspolitische Arbeit verbessern, aber wichtiger ist, dass jeder einzelne Journalist selbst dafür sorgt, dass seine Daten nicht in falsche Hände gelangen. Das Problem ist allerdings, dass für sichere Kommunikation mindestens zwei Menschen ihre Gewohnheiten ändern müssen. Die meisten Journalisten wissen, dass es zahlreiche Alternativen zu ungeschützter Email oder problematischen Social-Media-Firmen wie Facebook gibt. Aber wenn man unter seinen Kollegen der einzige mit einer Verschlüsselungssoftware ist, kann das das natürlich frustrierend und sinnlos erscheinen. Ähnliche Situation bei Facebook: Wer will zu Friendica oder Diaspora wechseln, wenn die Freunde oder Arbeitskollegen alle bei Facebook sind.

Weil wir unsere Informanten, Kollegen und Freunde nicht zu einem bestimmten Kommunikationskanal zwingen können, kann die Lösung nur eine sein: Wir müssen von nun an mehrere sichere Alternativen anbieten, auch wenn es zunächst sinnlos erscheint. Und das auch dann, wenn wir unsere momentanen Recherchen nicht für besonders schützenswert halten. Wir müssen Datenschutz in unseren Alltag integrieren, es muss eine Grundtugend der journalistischen Arbeit werden. Anders können wir unsere Unabhängigkeit als vierte Macht im Staat nicht glaubwürdig verteidigen.

Ich wünsche mir die Erfüllung der folgenden Maßnahmen, die jeder Journalist innerhalb von wenigen Stunden umsetzen kann:

  • Zu einem Email-Anbieter seines Vertrauens wechseln
  • Die Verbindung zu diesem Anbieter in Handy und Emailprogramm auf SSL oder StartTSL stellen (für Hilfe dazu diese Begriffe mit Email-Anbieter und Email-Programm goggeln, z.B. "GMX SSL Outlook")
  • Einen OpenPGP-Key für verschlüsselten Emailverkehr anbieten, z.B. mit dem Paket Gpg4win. Ich habe meinen Key bereits auf meiner Website im Impressum veröffentlicht und verlinke ihn auch in meiner Email-Signatur. Damit kann mir jeder eine verschlüsselte Email schicken. verschluesselung_gnupg.jpg
  • Wissen, wie man eine Datei verschlüsseln kann (diese Option wird meistens mit der Email-Verschlüsselung mitinstalliert). Dokumente mit vertrauensvollen Daten nur verschlüsselt auf der Festplatte lagern, z.B. per Truecrypt in einer Art verschlüsseltem Ordner, der als Festplatte eingebunden wird.
  • Den Schutz der eigenen Privatsphäre erhöhen, zum Beispiel auf Facebook nichts schreiben, was nicht öffentlich ist. Insbesondere für Chat und Nachrichten andere, sichere Dienste verwenden.



Was man zusätzlich machen kann:

  • Wer Social-Media vertraulich nutzen will, sollte seinen Kollegen oder Freunden Alternativen zu Facebook, Skype und Twitter anbieten. Es gibt sehr gute quelloffene Social-Media-Software wie Friendica, den Twitter-Ersatz Identi.ca/Pump.io oder den Skype-Ersatz Jitsi. Friendica lässt sich sogar auf dem eigenen Webspace installieren. Die zusätzlichen Vorteile sind: Kontrolle über die eigenen Daten, Offenheit der Protokolle (daher Austausch mit anderen offenen Diensten), keine Werbung und keine unerwünschten Filtermethoden.
  • Datenträger mit Truecrypt komplett verschlüsseln, um den unberechtigten Zugriff von Behörden zu verhindern
  • Quelloffene Software wie Libre Office, Thunderbird und Firefox verwenden.
  • Quelloffenes Betriebssystem wie Debian verwenden
  • Weitere Empfehlungen auf http://prism-break.org/ und http://digitalcourage.de in Betracht ziehen, z.B. verschlüsselte Telefongespräche


Zeugnisverweigerungsrecht, Privatsphäre und Datenschutz sind in Deutschland gesetzlich geschützt. Es ist absurd, dass wir in den letzten zehn Jahren diese Rechte im Internet aus Bequemlichkeit und Technikeuphorie abgetreten haben, obwohl andere Wege von Anfang an möglich waren. Jetzt haben wir etwas nachzuholen und das wird für uns alle ein Stück Mühe und Arbeit bedeuten.

Foto von RubenJ unter CC-Lizenz

Veröffentlicht am 28. Oct. 2013. in [/Journalismus/Theorie] Kommentare: 0


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Reporterpreis 2013

Noch bis zum 1.10.2013 können eigene oder fremde Beiträge beim Deutschen Reporterpreis eingereicht werden. Es ist eigentlich der einzige Preis in Deutschland, der die junge Kategorie Multimedia fördert. Eingereicht werden können alle Multimediabeiträge (aber nicht komplette Serien). Das können speziell netztaugliche Videobeiträge sein, Audio-Slideshows, aber auch interaktive Webreportagen im engeren Sinne.

Veröffentlicht am 02. Sep. 2013. in [/Journalismus/Nachrichten] Kommentare: 0


Ergänzende Überlegungen zu Dirk von Gehlens Beitrag und den Kriterien des Reporterpreises

Interaktivität und andere Optionen in der Webreportage

goa_hippy_tribe.jpg

Dirk von Gehlen hat gestern in einem Posting mehr Interaktivität von der Webreportage gefordert. Mit seinem neuen Buchprojekt "Eine neue Version ist verfügbar" probiert er ja selbst gerade die interaktive Erstellung eines Textes mit Hilfe der Leser aus. Es ist nicht die erste Idee von Dirk, die mich begeistert und inspiriert. Aber immer, wenn ich Dirk treffe oder lese, merke ich, dass ich ganz anders an die Sachen herangehe und daher haben wir immer wunderbare Diskussionen. Als Antwort auf seinen Artikel nun also meine Ergänzung mit einigen Einsprüchen, denn seine Forderungen an die Webreportage sind mir begrifflich noch zu ungenau und in manchen Punkten zu einengend für den Webreporter. Im Kern habe ich versucht, behutsam Struktur in seine Forderungen zu bringen, in der Hoffnung, dass Dirk dieser fünfteiligen Gliederung zustimmt.

  1. Die Hauptidee von Dirk und sicher die große, geniale Idee hinter seinem Buchprojekt ist es, die Abgeschlossenheit der alten Medien in Frage zu stellen und diese in die fluiden Formen von Wikipedia oder Software zu überführen, die wir aus dem Web kennen. Diese prozesshafte, endlose Versionierung von Beiträgen ist aber nicht zu werwechseln mit dem wechselseitigen Bezug von Texten, der in der Literaturwissenschaft auch als Intertextualität bekannt ist und keine exklusive Eigenschaft des Webs darstellt. Beide Punkte können sich sogar ausschließen: dass z.B. ein Leser erkennt, dass mein Beitrag auf Dirks antwortet, setzt für beide Beiträge voraus, dass sie ab jetzt nicht mehr zu stark abgeändert werden.
  2. Die crowdgestütze Recherche/Finanzierung und die Interaktion zwischen Leser und Autor bedeutet nicht, dass am Schluss eine interaktive Reportage steht. Diese Optionen kann mit der nächsten zusammenfallen, aber es ist in manchen Fällen sicher sinnvoll, die interaktive Recherche in eine oder mehrere abgeschlossene und unverzweigte Beiträge zu überführen.
  3. Eine interaktive Narration wie bei Voyage au bout du charbon bedeutet, dass der Rezipient an verschiedenen Stellen der Reportage entscheidet, welchen Weg er einschlagen will, welchem Teil er als nächstes folgen will. Diese Interaktivität darf nicht mit einer Leserbeteiligung bei der Projektplanung oder mit einem unabgeschlossenem Projekt wie Wikipedia verwechselt werden. voyage_charbon.jpg
    Interaktivität in der Erzählung ist bereits ohne die anderen Punkte von Dirk Herausforderung genug: Wir müssen die Geschichte so konstruieren, dass der Leser die Entscheidungen über den Fortgang der Reportage treffen will und auch sinnvoll treffen kann. Ich halte das für das dringendste Experimentierfeld, vor allen anderen Forderungen von Dirk: Dass dieses zwanzig Jahre alte Problem der interaktiven Reportage endlich von einem genialen Pionierjournalisten gelöst wird.
    Wichtig bei diesem Punkt: Bitte nicht jede Form der multimedialen Menüführung wie z.B. Goa Hippy Tribe als interaktive Reportage bezeichnen. Hier können nur mehrere für sich stehende Text- oder Multimediaerzählungen in einem Menü ausgewählt werden. Nach dieser Logik wäre jede Onlineseite, jede Zeitung, jede Suchmaschine und jedes Buchgeschäft ein interaktives Medium. Es wäre toll, wenn man den Begriff der Interaktivität für solche Dossier-Formate nicht verwenden würde.
  4. Dirk spricht davon, dass das Netz die Reportage um ihren Verfasser erweitert oder erweitern sollte. Diese Möglichkeit, den Autor, sozusagen eine Kopie von ihm, sein mediales Ich, in der Reportage mit spezifischen Funktionen für die Narration einzusetzen, ist natürlich auch ohne Interaktivität möglich und zieht sich durch alle Medien, vom Video über den Text zu Audio-Slideshow. Der New Journalism aus den 80ern oder die Dokumentarfilme von Michael Moore sind hier gute Beispiele. Die Entscheidung, wer die Reportage an den Leser vermittelt, ein Off-Sprecher, ein Journalist/Fotograf, der durch ein "Ich" in seiner eigenen Erzählung als Vermittler auftritt oder der Protagonist selbst, ist immer eine Frage des Inhalts, der vermittelt werden soll. Es macht keinen Sinn, ein Sachthema, bei dem keine subjektiven Eindrücke geschildert werden müssen, mit einem Ich-Erzähler zu vermitteln. Auf der anderen Seite finde ich es manchmal überholt, wenn Journalisten ihr Ich mühsam hinter einer dritten Person verbergen, obwohl ihre persönlichen Erfahrungen etwas zur Geschichte beitragen können. Gerade bei der Textreportage ist diese Gattungsregel schon zur Obsession geworden. Auch diese Frage der Vermittlung der Reportage sollte man also von der Interaktivität trennen.
  5. Dirk nennt an mehreren Stellen die Live-Reportage, z.B. über Twitter. Auch diese Option hat nichts mit Interaktivität zu tun und sollte wohl zur aktuellen Berichterstattung eingesetzt werde. Was in diesem Zusammenhang generell nicht funktioniert ist die Idee, Wirklichkeit möglichst unverfälscht aufzuzeichnen, egal ob live oder nicht. Wir können keine Wirklichkeit aufzeichnen, ohne diese zu zerlegen. Deshalb sollte jeder Form der Aufzeichnung immer die Überlegung vorausgehen, wie die Wirklichkeit geordnet, fokussiert und gegebenenfalls narrativ konstruiert in ein Zeichensystem überführt werden kann. Ansonsten entsteht nur chaotischer Zeichenmüll für die nächste Transmediale.

Alle Optionen sind übrigens nicht erst seit dem Web möglich, auch wenn sie dort nun viel einfacher und breiter genutzt werden können. Eine fluide Form waren/sind z.B. die Loseblatt-Lexikas vom Munzinger-Verlag, Leser-Autor-Interaktion gab es auch schon live oder per Telefon, interaktive Geschichten in Form sogenannter Spielbücher, Ich-Erzähler im Film und Live-Reportagen im Radio und Fernsehen, um einige Beispiele zu nennen.

Wir können nun nach den Regeln der Kombinatorik eine Liste aus allen Optionen machen und haben 25 teilweise innovative Formate in der Webreportage, die wir in den nächsten Jahren abarbeiten können. Einige Kombinationen hatte Dirk sicher im Kopf, als er seinen Beitrag geschrieben hat, andere erschließt man vielleicht nur, wenn man sich diese Liste erstellt. Wobei nicht nicht klar ist, ob alle Fälle Sinn machen, z.B. die interaktive Live-Reportage, die ständig im Fluss ist.
alma_arte.jpg

Außerdem fehlen natürlich viele Optionen, z.B. gibt es Experimente wie die Webdoku Alma, bei der der Leser interaktiv das Medium (in diesem Fall die Bildebene) ändert, aber nicht den Erzählstrang. Oder Wechsel zwischen den Medien (z.B. vom Text zum Video), bei denen der Ich-Erzähler seine Vermittlung über den Bruch hinweg fortführt.
Entscheidend sollte am Ende aber immer sein, dass die Geschichte in der perfektesten Form beim Rezipienten ankommt, um seine Botschaft zu vermitteln. Das wird für mich das oberste Kriterium sein, wenn ich mit Kollegen am 3. Dezember die zehn Nominierungen bewerte. Ich möchte keiner Form einen Vorrang einräumen und damit eine ideologische Abgrenzung zu anderen Formaten machen, die obendrein noch von einer erwünschten Abgrenzung zu anderen Medienkanälen wie dem Fernsehen diktiert wäre. Und eine gute Geschichte, ob multimedial oder nicht, funktioniert sicher und in bewährter Weise auch ohne diese Optionen. Dass bisher viel zu wenig mit diesen Optionen experimentiert wurde, ist dagegen offensichtlich und bekräftigt mich in einer ganze anderen Vision, die ich bereits vor Jahren dem Reporterforum vorgeschlagen habe: Nämlich dass wir eine Art Think-Tank benötigen, in dem einige Journalisten in Zusammenarbeit mit deutschen Redaktionen alle diese neuen Optionen (und noch mehr) austesten und entscheiden, was in der Praxis geht und was nicht. Denn was bisher von Onlinejournalisten, (z.B. auch in der Audio-Slideshow) gemacht wird, ist aus Zeitnot fast immer nur das Nachahmen von etablierten, erfolgreichen Formaten. Was wir jetzt brauchen, ist Formatkreativität und ich hoffe, dass ich mit diesem Beitrag ein wenig dazu beigetragen habe.

Veröffentlicht am 03. Nov. 2012. in [/Journalismus/Theorie] Kommentare: 1




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