Schloss auf einem Hügel
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Diese Seite berichtet von München aus über Multimedia, digitales Storytelling und Kunst im Netz. Und stellt eigene Entwicklungen in diesem Bereich vor.

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Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, auf einer der ersten Seiten im WWW.





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Kurse und Vorträge im Herbst

Für den Kurs Audio-Slideshow im September am ifp in München sind noch ein paar Plätze frei! Nächste Gelegenheit ist der Kurs in Luzern Ende November/Anfang Dezember. Außerdem interessant wäre vielleicht der MAZ Multimediatag mit vielen Kurzvorträgen (von mir ein paar Worte zur Scrollreportage).

Veröffentlicht am 31. Jul. 2014. in [/Interna] Kommentare: 0


Kleiner Debatten-Anstoss zur Audio-Slideshow

Tiere auf Wanderschaft

Schöne Audio-Slideshow von der Radiojournalistin Sandra Müller: Tiere auf Wanderschaft. In ihrem Weblog stellt sie einige Thesen dazu auf, wie eine gute Audio-Slideshow sein sollte. Neu und gut fand ich vor allem den Tipp, dass man sich als Journalist im Interview lebendig und impulsiv verhalten sollte, um den Protagonisten zu einer persönlichen und lebendigen Erzählung anzuregen, das ist im Beispiel wirklich hervorragend gelungen. Auch schöne Fotos, gute Musikuntermalung und spannender Einsatz von Schrift, habe ich so auch noch nicht gesehen. Um die Debatte zu ihren 10 Punkten zu eröffnen: Gerade am Anfang der Reportage finde ich Bild und Ton etwas zu weit auseinander, diese "Bildlöcher" hätte ich vermieden. In dem Punkt stimme ich also nicht zu.

Veröffentlicht am 31. Jul. 2014. in [/Journalismus/Multimedia-Reportagen] Kommentare: 0


Die leise Gefahr für Journalismus und Pressefreiheit in Krisenzeiten

Propaganda per Filter und Verstärkung

Straßenumfrage ade: In den letzten Jahren hat sich die Arbeitsweise von vielen Journalisten radikal geändert: Soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook dienen als Sensor für die Meinung der Bevölkerung, als Gruppenmedium zwischen Kollegen, als Recherchetool und als zusätzlicher Marketingkanal für die eigenen Beiträge. Je stärker ein Journalist in diesen Netzen Informationen aufnimmt und wieder abgibt, desto wichtiger wird die Neutralität dieser Netze, da es sonst zu erheblichen Verzerrungen kommen kann. Nun ist das leider schon länger nicht mehr der Fall: Twitter, Facebook oder Google formen unsere Streams nach unseren Leseinteressen. Der Buchautor Eli Pariser warnte 2012 in "The Filter Bubble" davor, dass wir uns dadurch intellektuell isolieren.

Neutral_density_filter_demonstration.jpg


Größer wäre das Problem nun, wenn die Filter in diesen Netzwerken absichtlich nach politischen Interessen geschaltet wären. Vor kurzem bewies Facebook, dass es die Technologie für eine inhaltliche Filterung der Streams bereits hat: In einem psychologischen Test hatte man bei 100.000 ahnungslosen Nutzern positive oder negative Meldungen herausgefiltert und die Reaktion darauf gemessen. Gemerkt hat anscheinend niemand etwas davon.

Eine politische Filterblase wirkt weiter als Zensur, da sie sich verstärkend in verschiedene Bereiche fortsetzt: Angenommen, regierungskritische Meinungen werden in den persönlichen Streams von Facebook oder Twitter über Algorithmen reduziert, bestätigende Meinungen werden dagegen verstärkt. Für Journalisten würde sich das an drei Stellen auswirken: Unsere Wahrnehmung von Öffentlichkeit wird verzerrt, die Texte, die wir dann schreiben, verstärken diese Sichtweise auch in den ungefilterten Medien. Und schließlich werden die kritischen Journalisten in den Netzen unsichtbarer, was sie möglicherweise auch ökonomisch schwächt. Das perfide an der Methode wäre aber sicherlich, dass bei mäßiger Filterung bzw. Verstärkung niemand etwas von diesem Einfluss merken würde.

"Can we be friends?"

Aus der Sicht einer Regierung ist dieses Vorgehen in einer Krise oder während eines Krieges verlockend. Die innere ethische Perspektive wäre: Warum nicht unauffällig auf die Meinungsbildung im Ausland einwirken, wenn sich dadurch Kriege und Tote vermeiden lassen. Der Twitter-Gründer Biz Stone erzählte bereits 2011 von einem verstärkten Interesse des amerikanischen Außenministeriums an seinem Dienst. Die wollten plötzliche beste Freunde mit ihm sein: "Oh wow, we were trying to get this done with AK-47s and you guys got it done with Tweets. Can we be friends?"

Auch in den letzten Wochen gab es wieder zwei Meldungen, die das Interesse an dieser Form des Einflusses verdeutlichen:

  • Der englische Geheimdienst GCHQ hat ein Tool, um Online-Umfragen gezielt zu ändern und damit in den Prozess der Meinungsbildung einzugreifen
  • Eine russische Firma mit 600 Mitarbeitern hat während der Ukraine-Krise gezielt Diskussionsforen von deutschen Medien mit prorussischen Fake-Beiträgen geflutet

Man kann von Glück reden, dass deutsche Journalisten während der Ukraine-Krise nicht alle bei dem russischen Facebook-Klon vk.com organisiert waren. Erst im Frühjahr war der Gründer des Social-Media-Netzwerks vermutlich aus politischen Gründen aus der Firma geworfen worden und durch putinfreundliche Manager ersetzt worden. Dann hätte Putin zumindest in der Theorie einen leichteren Weg gehabt, um die deutsche Presse zu beeinflussen. Vom chinesischen Weibo gar nicht zu reden, wo politische Zensur und Filterung schon lange üblich ist.

Radio_-_Keep_It_Free.gif Und die amerikanischen Dienste? Vorerst gibt es ganz klar keine Belege für einen Einfluss der amerikanischen Regierung auf die Filter von Facebook, Twitter und Google. Kritische Journalisten sollten diese mögliche Gefahr jedoch nicht vergessen, wenn sie ihre Werkzeuge für die Zukunft wählen. Je nachdem, wie politisch die eigene Arbeit ist und wie stark man Social-Media als Ideengeber, Recherchetool und Publikationskanal verwendet, wäre ein solcher Filter ein ziemliches Problem für unabhängige Berichterstattung. Eine starke Skepsis gegen die Streamzusammenstellung wäre im Krisenfall sicher angebracht.

100% filterfrei

Zusätzlich sollte man vielleicht doch öfter mal darüber nachdenken, ob es so toll ist, dass wir die Filterung unseres digitalen Lebens zwei bis drei Konzernen anvertraut haben, ohne kontrollieren zu können, wie ihre Algorithmen unser Weltbild und das unserer Leser prägen. Wer wegen der fehlenden Privatsphäre oder der Massenüberwachung ohnehin nach Alternativen sucht, hat nun einen weiteren Grund für den Umstieg: dezentrale Open-Source-Netzwerke sind immer transparent in ihrer Filterung bzw. bilden den Stream in der Grundeinstellung zu 100% ab. Das wäre auch für die journalistische Arbeit besser.

Damit sind wir aber wieder beim alten Diaspora-Problem: Schon bei den letzten Facebook-Kritikwellen gab es dezentrale Netze, die sich aber nicht durchsetzen konnten: Ist auch logisch: Was soll man in einem dünn besiedelten Netzwerk, wenn alle Freunde und Kollegen bei Facebook bleiben? Ich weiß, dass es schwer ist, dagegen ein Argument vorzubringen: Wir hängen nicht an Facebook, sondern an unseren sozialen Kontakten, das ist nur menschlich. Aber ein Argument habe ich: Wer keine Alternativen anbietet, verhindert jede Änderung. Wer Freunden und Kollegen dagegen zusätzlich ein oder zwei alternative Netzwerke anbietet, ermöglicht, dass sich ein besseres System etabliert.

Dezentrale Alternativen gibt es genug: Friendica und Diaspora sind zwar keine Usability-Raketen, aber gut funktionierende Alternativen für Facebook. Für beide gibt es offene Server, auf denen man sich kostenlos anmelden kann (Friendica, Diaspora). Auch für den Twitter-Ersatz Pump.io gibt es offene Server. Ich nutze alle drei Dienste seit über einem Jahr ohne Probleme.
Wer schonmal eine eigene Website per FTP gepflegt hat, kann hingegen in die nächste Wissensstufe vorrücken und mit dieser einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitung per SSH einen eigenen Friendica-Server bei dem Hoster Uberspace installieren. Das ist schneller erledigt als eine Wordpress-Installation und bietet Platz für mindestens 20 Kollegen. Und eröffnet nebenbei auch die Möglichkeit für eine eigene Cloud. Wer experimentieren will, dem empfehle ich dagegen das neue Red Matrix. Ein Social-Media-Netzwerk, bei dem die eigenen Daten immer nomadisch und verschlüsselt auf verschiedene Server verteilt werden, so dass man nicht von einem Betreiber abhängig ist.

Und auch beim Lesen von Nachrichten kann man sich einfach aus der Filterblase befreien: Im Unterschied zum Konsum von Nachrichten per Facebook-Abonnement sind die guten alten Feedreader 100% filterfrei. Sie sind bereits in den meisten Browsern, Emailprogrammen und auch bei Friendica eingebaut. Und für jedes Handy als App zu bekommen.

Bildrechte: "Neutral density filter demonstration" by Robert Emperley from Strasbourg, Alsace, France - silver falls 21Uploaded by NotFromUtrecht. Licensed under CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons.

Veröffentlicht am 23. Jul. 2014. in [/Journalismus/Nachrichten] Kommentare: 1


David Firth macht seit zehn Jahren Web-Comics

Zehn Jahre Salad Fingers

salad_fingers.PNG Happy Birthday Salad Fingers: Vor zehn Jahren erschien die erste Folge von David Firths postapokalyptischem Flashcomic "Saladfingers" auf Newgrounds.com. Mit der eigenwilligen Figur, die Finger aus Salat hat und nach dem "Großen Krieg" in Einsamkeit in einer leeren Hütte auf einer nebligen Ebene wohnt, sich mit Handpuppen unterhält und albtraumartige Begegnungen mit allem erlebt, was das Unterbewusstsein an Schrecken bereithält, wurde der junge Künstler im Internet berühmt, noch lange bevor es Youtube gab. Mittlerweile zeichnet er verschiedene andere Comics die schrill und poppig, aber nicht minder absurd sind, teilweise auch für die BBC. Doch mit etwa 60 Millionen Abrufen bei Youtube und Newsground übertrifft an Popularität nichts den schwer fassbaren Saladfinger-Kosmos und seine manchmal pupertäre, manchmal tiefsinnige Auseinandersetzung mit den existentiellen Ängsten des Lebens. Erst letztes Jahr wurde die Serie um eine ausführliche zehnte Folge ergänzt: Hubert Cumberdale's Birthday ... und so wünsche ich dem bemerkenswert kreativen David Firth ebenfalls von Herzen einen texturlosen Birthday Stick aus dem All mit einem Hut aus der Haut des schlaffen Schlummerburschen Milford Cubicle.

Veröffentlicht am 03. Jul. 2014. in [/Kunst/Multimedia] Kommentare: 0


Eine liebevoll gestaltete Tonspur

Sound Design in Multimedia-Produktionen

Ton - das kann man nicht oft genug sagen - wird bei vielen Multimedia-Produktionen vernachlässigt. In diesem Trailer von dem französischen Dokumentarfilmer Seb Montaz sieht man sehr schön, wie beeindruckend eine Produktion wird, wenn man neben der passenden Musik und guten O-Tönen auch noch ein wenig Zeit für Sounddesign aufbringt. Originalgeräusche (Regen, Klingeln der Karabiner und Windgeräusche) wurden vom Originalmaterial entfernt und verfremdet und an anderen passenden Stellen eingespielt. Außerdem hat der Sounddesigner einige schöne Tonakzente mit synthetischen Geräuschen oder Archivaufnahmen gesetzt: Bei den Sprüngen mit Regenschirm und über dem See hört man ein tiefes Pfeifen und eine Art Becken, beim Leuchtturm ein "Swoosh", Gewittergeräusche bei den Wolken und ein Rasseln, als der Protagonist gegen Ende in die Slackline fällt. Alles hilft mit, das Gefühl der Bewegung, die Anspannung und die Bedrohung der Natur an den Rezipienten zu vermitteln.
Wer sich mehr für Toneffekte im Film interessierte, dem sei übrigens diese großartige, wissenschaftliche Aufarbeitung von Toneffekten im amerikanischen Mainstream-Film empfohlen: Barbara Flückiger: Sound Design.

Veröffentlicht am 07. May. 2014. in [/Journalismus/Theorie] Kommentare: 0


Drei Journalisten zum Thema Verschlüsselung

Roman Mischel hat in seiner Videoreporter-Serie drei Journalisten zum Thema Verschlüsselung befragt - sie erklären, welche Tools sie warum nutzen.

Veröffentlicht am 29. Apr. 2014. in [/Journalismus/Nachrichten] Kommentare: 0


Großartige Webdoku

Netwars

netwars.jpg

Netwars ist eine der besten Webdokus, die ich bisher gesehen habe. Nicht nur wegen dem spannenden Thema (Kriegsführung über das Internet) und der interaktiven Einbeziehung des Users, nicht allein wegen der technischen Finesse (kein Flash), sondern auch wegen den vielen Details, wie z.B. der liebevoll asynchronisierten Moderatorfigur (gespielt von Nikolai Kinski), die klar in der Tradition von Max Headroom, dem G-Man aus Halflife 2 und der wenig vertrauenswürdigen Computerstimme aus Portal steht.

Veröffentlicht am 19. Apr. 2014. in [/Journalismus/Multimedia-Reportagen] Kommentare: 1




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