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Text. Bild. Ton.
Diese Seite berichtet von München aus über Multimedia, digitales Storytelling und Kunst im Netz. Und stellt eigene Entwicklungen in diesem Bereich vor.

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Beispiel und Tutorial zu meinem eigenen Multimedia-Format

Textbasierte Multimedia-Reportage über den Münchner Hauptbahnhof

hbhf_front_uhr.jpg

Seit über zwei Jahren verfolge ich hartnäckig die Idee, ein neues Multimediaformat zu entwickeln, das die erzählerische Stärke des Wortes mit der sinnlichen Erfahrung von Bild und Ton kombiniert, ohne den Leser dabei auf eine Rezeptionsgeschwindigkeit festzulegen, wie es Film und Radioreportage tun.
Ich hoffe, dass meine neue Reportage über den bevorstehenden Abriss des Münchner Hauptbahnhofs, Wenn er weg ist, wird er fehlen, nicht nur diese Vorgabe erfüllt, sondern auch journalistisch und technisch überzeugen kann. Die Reportage soll beweisen, dass diese Art zu Erzählen im Onlinejournalismus eine Perspektive hat. Die narrativen Konzepte, die das neue Format erfordert und ermöglicht, sind damit natürlich längst noch nicht erkundet.

Begleitend zur Reportage habe ich ein technisch orientiertes Tutorial geschrieben, dass zeigen soll, wie einfach man ohne Programmierkenntnisse und ohne Flash mit dieser Technik eine Reportage erstellen kann. Die Funktionsweise und technische Details werden dort ebenfalls erläutert. Die Technik ist im Rahmen einer Creative Commons Lizenz sowohl privat als auch kommerziell kostenlos verwendbar.

Zur Reportage.

Veröffentlicht am 26. Feb. 2006. in [/Eigene_Projekte] Kommentare: 16

just be. wrote at 2006-02-27 15:48:

Hier läuft die Reportage leider weder mit Opera noch mit IE, aber hier läuft eh so gut wie nix... :-( Vielleicht kann ich die Tage mal mit meinem eigenen PC online gehen - dann mehr.

Aber noch mehr zu hier: Opera 8.01 Sun Java Runtime Environment version 1.5 "XHTML+Sprache - Das Plug-In ist nicht geladen" (liegts daran?) "Flash Player ist installiert" Und IE 5. Flash Player ebenfalls aktiviert. (kann jeweils den Text und die Bilder sehen, aber nur "normal")

Bin aber begeistert von dieser Art des Erzählens, (hab die Geschichte der Treppe am anderen PC gesehen); die Vorstellung, die positiven Eigenschaften von Bild und Ton mit denen von Text zusammenzubringen ist faszinierend. be.

Matthias wrote at 2006-02-27 15:56:

Mit dem alten IE5 dürfte es nicht funktionieren, denke ich. Bei Opera muss nicht nur Java installiert sein, sondern auch aktiviert. Mit 8.01 habe ich es nicht getestet.

Funktioniert die Lade-Routine? Wird für jedes der 11 Tondokument eine Prozentanzeige bis 100% angezeigt? Erscheint der grüne Button?

Was machen denn die Steuerkästen rechts? Werden die roten Punkte grün? Wird ein Titel angezeigt?

Benjamin wrote at 2006-02-27 18:17:

Hallo zusammen,

Ich bin begeistert! Bei mir hats ohne Probleme funktioniert. Sehr ungewohnt und ganz anders als Text + Video wie etwa bei Spiegel Online. Da hat man immer das Gefühl, man guckt Fernsehen. Text + Audio + Fotos bringen dagegen viel mehr die Stimmung rüber (besonders Audio), ich denke gerade daran, wie fesselnd eine Reportage aus dem Irak in solch einem Format wäre. Einige Dinge, die mir aufgefallen sind:

1)Vielleicht wäre es noch gut, wenn man sehen könnte, wie lange die jeweiligen Audiodateien sind. Weil das meiner Meinung nach der große Vorteil im Internet ist: Man kann immer abschätzen, wie viel Zeit man "investieren" will.

2) Schön wäre es auch, wenn man runterscrolen könnte, ohne direkt die Audiodateien zu aktivieren. Gleicher Grund wie bei Punkt 1, dann kann einfacher innerhalb der Reportage springen.

3) Die Kombination Foto+Text spricht mich mehr an, als "nur" ein allein stehendes Foto.

4) Noch unter (oder über) die Reportage die Möglichkeit, die Fotos als Fotostrecke anzugucken und die Audio-Dateien runterzuladen? Das gibt dem Leser noch mehr Freiheiten mit den Versatzstücken zu machen was er will.

Viele Grüße

Benjamin

Matthias wrote at 2006-02-27 18:32:

Danke für deinen Input, Benjamin! Punkt 1 mit der Zeitangabe ist eine sehr gute Idee, die ich noch gar nicht hatte. Für O-Töne wäre es wichtig, dass man abschätzen kann, wie lange die Leute jetzt reden. Mal sehen, ob man per Actionscript die Länge der MP3-Datei herausfindet und per Fortschrittsbalken anzeigen kann.

Punkt 2: Das wäre sozusagen ein Schalter, mit dem man alle ausschalten kann. Das ließe sich leicht realisieren, glaube ich. Ob es Sinn macht, weiß ich nicht - die Reportage ist ja dann möglicherweise nicht mehr verständlich. Aber man könnte es anbieten, warum nicht. Auch gut, wenn man in einer Umgebung ist, in der kein Ton aus dem Lautsprecher kommen sollte.

4.Bei solchen Funktionen bin ich skeptisch. Ich halte nichts von 1000 interaktiven Möglichkeiten und Optionen, weil sie die Narration durchbrechen. In einer Reportage erzähle ich eine Geschichte und der Leser erwartet von mir, dass ich die Führung übernehme. Aber vielleicht ist der Bedarf dadurch entstanden, dass die Bilder zu klein sind. Dann sollte man das ändern, das ist mir nämlich in dr Endphase auch aufgefallen.

Aber jedenfalls vielen Dank für deine Anregungen!

Claudia wrote at 2006-02-27 22:50:

Vielen Dank für dieses Werk, Matthias! Ich weiß gar nicht, wovon ich begeisterter bin: von der Reportage oder der neuen Form, die du gefunden hast! Im Gegensatz zu Benjamin finde ich es gut so, wie es ist. Ich lasse mir gern Geschichten erzählen und finde, das gibt es im Internet viel zu wenig. (Immer soll man gleich irgendwo draufklicken und woanders hinsurfen, schrecklich!) Also: Nochmal danke für die tolle, schlichte und schön formulierte Arbeit!

2R wrote at 2006-02-28 15:01:

mir gefällt die reportage auch sehr gut. eine sache ist mir aufgefallen. es ist nur ein subjektiver eindruck. ich weiss nicht ob andere ihn teilen. wenn ich die reportage "rezipiere", nehme ich sie nicht nur als text, sondern auch als audiovisuelles medium war, also auch wie einen film. dh es werden meine "filmrhetorischen erfahrungen" angesprochen und nicht nur meine literarischen. beispiel: wenn der ton weg ist, empfinde ich die stille als "unheilvoll", auch wenn der text oder die bilder keinen anlass dazu geben. das liegt denke ich an meiner filmischen konditionierung. im kino ist stille meist ein stilmittel um emotional extreme situationen zu erzeugen (angst, shock, taubheit, trauer, hilflosigkeit usw.). deine reportageform ist also emotional wie ein film aufladbar, das funktioniert zumindest bei mir sehr gut.

Matthias wrote at 2006-02-28 15:18:

2R: Ja, das kann ich mir gut vorstellen, das ist mir schon in meiner ersten textbasierten Multimedia-Geschichte aufgefallen. Ich habe deshalb versucht, die Geschichte eher filmisch zu schreiben, sie findet ja ständig in einem Raum statt. Allerdings ist das schöne am Text, das man sehr abstrakte Überlegungen einbringen kann, die den Raum verlassen. Solche Absätze könnte man höchstens mit instrumenteller Musik unterlegen, wie es auch Hörspiele oder Dokumentationen tun.

Ich fand die Stille in der Mitte eigentlich gut, um wieder stärker auf den Text zu lenken, aber das funktioniert vielleicht nicht, stimmt.

Benjamin wrote at 2006-02-28 17:34:

Hallo,

Matthias: Stimmt, schaltet man alle Töne aus, macht es wenig Sinn. Und auch das Anbieten einzelner Versatzstücke ist zweifelhaft, letztlich auch, weil das Gesamtwerk ja auch irgendwie rechtlich geschützt sein sollte.

Sehr gelungen finde ich übrigens auch, dass Links eingebaut sind. Der Hyperlink ist meiner Meinung nach der große Vorteil, wenn man etwas im Internet liest. Das muss ja nicht in unzählige Links ausarten, aber ein paar wesentliche schon.

claudia: Das ständige Weklicken und hinsurfen ist nun mal Fakt, da kann man nicht viel dran ändern, dass der "normale" Leser sich so verhält. Da hilft nur ein ansprechendes Produkt - je interessanter die Reportage, desto länger bleibt der Leser auf der Seite.

Über den stillen Teil der Reportage habe ich auch nachgedacht. Ich habe es aber eigentlich als angenehm empfunden, nach dem Motto: So jetzt wieder auf den Text konzentrieren. Musik finde ich unpassend - was sollte man denn für Musik bei einer Bahnhof-Reportage spielen? Eine "Grund-Athmo", die die ganze Zeit laufen würde - wie etwa die ersten Geräusche auf dem Bahnhof - würde da besser zum Thema passen. Muss aber nicht.

2R wrote at 2006-03-01 09:37:

interessant, ich dachte mir schon, dass das jeder unterschiedlich wahrnimmt. als hintergrundgeräusche finde ich dein aufgenommenes "stadtrauschen" perfekt. musik würde ich auch nicht nehmen. der fehlende ton fokusiert tatsächlich auf den text, denn der "rezipient" wird aus der stimmung des "vor ort seins", welche die töne erzeugen, herausgerissen und kann wieder unabgelenkt lesen. das ist also ein stilmittel, dass man gezielt einsetzen kann.

just be. wrote at 2006-03-04 13:55:

Technisches: Jetzt gehts mit Opera! Aber frag mich nicht was ich gemacht habe. [Vorher blieb das Laden bei 0% stehen, Java war aber aktiviert (wie Du es dort erklärt hast). Der grüne Button kam nicht, und die Steuerkästen blieben rot]

Inhalt: Fortschrittsbalken/ Zeitangabe für die Audiodateien (vor allem bei den geprochenen Stücken) ist wirklich eine gute Idee; man weiß "auf was man sich einlässt". Wie Benjamin schon sagte: eine der schönen Eigenschaften des Internets.

Auch ich finde die Stille in der Mitte erst einmal irritierend, sie lenkt aber eindeutig die Aufmerksamkeit auf den Text zurück; vor allem weil direkt davor nicht "nur" Hintergrundgeräusche waren sondern die Interviews - also Text als Ton. Also als Stilmittel an der richtigen Stelle eingesetzt.

Schön finde ich - wie auch meine Vorredner - die außergewöhnliche Kombination von Text und Ton mit der Möglichkeit der Selbststeuerung. Denn gerade die nicht vorhandene Selbststeuerung ist ein Grund warum ich kaum fernsehe. Aber hier sind die jeweils positiven Eigenschaften vermischt. Die Trockenheit des "nur Text" verschwindet; wie auch das "ausgeliefert sein" beim glotzen.

Bin ja technisch ein Nixwisser, aber wie wären denn die Möglichkeiten auch die "Richtung" der Reportage als Leser selbst verändern zu können?

anthronaut wrote at 2006-03-05 00:26:

Meine Maschine läuft endlich wieder, endlich konnte ich mir die Story auch an-hören: Ich bin begeistert! Über die grossen Lautsprecher oder Kopfhörer wird man, die Bilder vor Augen, in den Hauptbahnhof versetzt. Die Stimmungen und Gedanken konnte ich als häufiger Durchreisender dieses Gebäudes auf diese Weise nur zu gut nachvollziehen. Während man wahrlich multimedial in die Story eingesogen wird, kann man nur ahnen, wie viele Nächte Codearbeit dahinter steckt.

Ich sag einfach nur: Bravo!

Tim L wrote at 2006-06-05 14:56:

Ich bin begeistert! Informativ und Interaktiv schliessen sich oft genug aus- Dir aber ist es gelungen, das Thema spannend zu verpacken. Ich kann mir vorstellen, wie viel Zeit und Energie in die Aufbereitung der Inhalte geflossen ist.

Tim L wrote at 2006-06-12 20:25:

Manueller Trackback:

http://www.dokufoto.de/nachrichten/multimediale-fotoreportagen-84/

da mein Wordpress mal wieder spinnt. grummel

Matthias wrote at 2006-06-12 20:34:

Danke! Dein Wordpress spinnt nicht, ich musste den Trackback nur wegen Spam abschalten.

Tim L wrote at 2006-06-14 15:17:

Ja, ja: der liebe Trackback-Spam. Danke für die Info- ich war schon kurz davor, den Wordpress-Code in seine Einzelteile zu zerlegen ;-)

Titus wrote at 2006-07-17 22:14:

Manueller Trackback: http://www.gastauftritt.net/2006/07/17/multimediales-erzahlen/

(...) Einen interessanten Ansatz für multimediale Reportagen liefert Matthias Eberl: Er kombiniert Text, (unbewegtes) Bild und Audio in integrierten Multimedia-Reportagen, u.a. kürzlich auch auf jetzt.de in einer Geschichte über das Finale der Fußball-WM.

Gelöst hat er dabei das Problem des Lesetempos: Der Leser bestimmt durch Scrollen selbst, wann er Atmo oder Zitate im O-Ton hören und Bilder dazu sehen möchte. Sicherlich muss die Technik noch ausgebaut werden. Zum Beispiel könnten Atmo und Interviewpassagen übereinandergemischt werden, sodass die Atmo eben diese Funktion erfüllt: Atmosphäre vermitteln. Denn als Leser ist man doch ganz schön überfordert, wenn man die Steuerung der Audio-Teile auch noch selbst einstellen muss. Auch die etwas gewöhnungsbedürftige Umsetzung mit der umrandeten Box, in die man den zu lesenden Text bzw. die Fotos und Audio-Dateien scrollen muss, ist sicherlich noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Auf jeden Fall aber ist das Konzept geeignet, wirkliche Multimedialität zu schaffen (...)


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