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Text. Bild. Ton.
Diese Seite berichtet von München aus über Multimedia, digitales Storytelling und Kunst im Netz. Und stellt eigene Entwicklungen in diesem Bereich vor.

Rufposten wird betrieben von Matthias Eberl.
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Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, auf einer der ersten Seiten im WWW.





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Ein Template mit jQuery und HTML5

Scrollreportagen selber bauen

scrollreportage_screenshot.jpg

Als ich vor fast zehn Jahren meine ersten Experimente mit Scrollreportagen machte, war das ein gigantischer Aufwand. Mit objektorientierten Funktionen musste man die Kommunikation zwischen Javascript und der Flash-Sprache Actionscript regeln.

Mittlerweile sind die Scrollreportagen nicht nur weit bekannt, sondern technisch auch viel einfacher zu erstellen. Das liegt auch an jQuery: Das extrem populäre Javascript-Modul liefert einfache Methoden, um unabhängig von Browsertypen die Höhe des Anzeigefensters, die Position eines Elements oder die aktuelle Scrollmenge auszulesen.
$( window ).height()
$(this).offset();
$(window).scrollTop();
Der Rest ist einfachste Mathematik. Außerdem spart man sich komplizierte Schleifen, um durch alle Multimedia-Container zu zirkeln, ihre Position zu prüfen und zu starten. In jQuery hat man mit einer Zeile eine Funktion an eine Klasse gehängt.
$(".klasse").each(function(){
Durch HTML5 kann man außerdem auf Flash verzichten und die Multimedia-Elemente viel zuverlässiger starten, stoppen oder auf 0 zurücksetzen:
this.play();
this.pause();
this.currentTime=0;
Einziger Nachteil gegenüber Flash: Da nicht alle Browser die gleichen Codecs für den HTML5-Video-Tag und den HTML5-Audio-Tag unterstützen, muss man Videos in MP4 und WebM einbinden, Audio in MP3 und OGG.

Für ein Projekt habe ich nun ein sehr einfaches Template für so eine Reportage gebaut. Es steht zur freien Verfügung und ist mit zahlreichen Kommentaren im Quelltext gut erklärt. Wer ein bisschen Ahnung von HTML und Javascript hat, kann damit seine eigene Scrollreportage bauen.
Die Besonderheit bei dem Template ist, dass die einzelnen, visuell getrennten Abschnitte automatisch je nach Anzeigegerät so weit auseindergezogen werden, dass immer nur ein Abschnitt sichtbar ist. Sobald ein Abschnitt zentral liegt (zur Demo rot eingefärbt), werden alle Multimedia-Elemente, die sich darin befinden, automatisch gestartet.

Dieses Minimal-Beispiel kann relativ einfach mit jQuery-Plugins zu vollformatigen Slides erweitert werden, die beim Scrollen Einrasten. Auch Bewegungs-Parallaxe ist per Plugin möglich. Hier ein Überblick über diese Plugins.

Die technischen Hürden sind aber wie immer bei neuen Entwicklungen nicht das größte Problem. Scrollreportagen wie Snow Fall sind eigentlich in der Rezeption ein Desaster: Für den Rezipienten sind die Multimedia-Elemente so attraktiv, dass er das Scrollrad missbraucht, um den Text zu überspringen. Dadurch geht die Immersion in die Geschichte, die bei sequentiellen Medien wie Film oder Ton besonders hoch ist, kaputt. Das Problem hat bisher noch niemand gelöst - obwohl man es möglicherweise bewältigen kann, z.B. durch ultrakleine Zerteilung und Verknüpfung von Text und Multimedia. Dieses Problem war auch der Grund, warum ich mich 2006 der Audio-Slideshow zugewandt habe.

Update:
scrollreportage_fullpanel.jpg

Hier noch ein schönes Template für Fullpanel-Reportagen (mit vollformatigem Video). Geht sehr einfach mit dem jQuery-Plugin Onepage-Scroll.

Veröffentlicht am 20. Feb. 2014. in [/Eigene_Projekte] Kommentare: 0


Feuilletonistischer Kommentar zur Raumwirkung des Oktoberfests

Neben dem Fest

neben_dem_fest.jpg

Heute ist bei FAZ.NET meine Audio-Slideshow über die Randgebiete des Oktoberfests erschienen: Neben dem Fest (Update: Neue URL nach Relaunch: Neben dem Fest.

Das ganze ist ein Experiment: Die Slideshow verwendet einen heterodiegetischen Sprecher (Off-Sprecher), den ich in meinen Seminaren lange Zeit als ungeeignet für das Medium verteufelt habe. In diesem Punkt habe ich mich hoffentlich selbst widerlegt. Der Text zur Slideshow ist nun aber nicht nachrichtlich, sondern feuilletonistisch, er besteht hauptsächlich aus Beobachtungen und ihrer Analyse, versucht aber trotzdem zu emotionalisieren. Auf diese Weise schummelt sich doch wieder das Subjekt in die Erzählung. Die essayistische Slideshow ist damit fundamental anders als meine bisherigen, nicht nur wegen der Erzählperspektive, sondern auch wegen der abgeänderten Erzählfunktion des Bildes: Der Leser ist hier nämlich nicht mehr in einen durch Text, Bild und Ton klar begrenzten Raum hineinversetzt, in dem ein eingeführtes Figurenpersonal konkrete Handlungen ausführt (so arbeiten fast alle Reportagen mit erzählendem Protagonisten). Sondern der Leser sieht sich gleich einem ausschließlich abstraktem Gedankengebäude gegenüber, bei dem die Bilder nur noch exemplarische Funktion haben und nicht eine spezifische Situation oder Handlung zeigen. Ich hoffe, ich konnte hier auf ein weiteres mögliches Format der Slideshow hinweisen, mit einem anderen Text und mit einem anderen Zusammenspiel zwischen Bild und Text als bei den meisten bisher in Deutschland genutzten Formaten. Das könnte vor allem für Fotografen interessant sein, die gerne in Langzeitprojekten arbeiten.

Inspiriert zu dieser Erzählform hat mich vor allem der bezaubernde und sprachlich grandiose Dokumentarfilm von Dominik Graf und Michael Althen, "München - Geheimnisse einer Stadt" (ein paar Teile daraus bei Youtube). Obwohl Dokumentarfilme viel häufiger mit exemplarischen Bildern arbeiten, ja sogar oft dazu gezwungen sind, wenn sie keine konkret erzählendes Bildmaterial zur Verfügung haben, ist dieser Film auch durch seinen feuilletonistischen Text wieder ungewöhnlich. Während alles vom Iconic Turn redet und wir täglich durch Musikvideos oder Werbeclips berührende ästethische Erfahrungen machen, haben diese beiden Regisseure gezeigt, wieviel poetische Macht selbst in einem Dokumentarfilm allein vom Text ausgehen kann.

Zum anderen hat mich ein älterer Text von Kurt Lewin über die Landschaft des Krieges inspiriert: Obwohl sein Aufsatz namens "Kriegslandschaft" zu den Grundtexten der Raumtheorie gehört, ist er eigentlich ein wunderbar essayistischer Text, wie man ihn in einer Zeitung gerne lesen würde. Nach diesem Vorbild habe ich mir dann das Oktoberfest angeschaut und analysiert, nur mit Notizblock und Kamera ausgestattet. Auf Atmo-Aufnahmen habe ich verzichtet, da diese das Exemplarische der Bilder gestört hätten und stärker eine spezifische Situation mitgeteilt hätten.

Und dann habe ich zum ersten Mal mit einem professionellen Sprecher zusammengearbeitet. Osman Ragheb hat den Text wunderbar eingesprochen. Die 230,-€, die dafür an die Agentur Engelszungen gehen, dürften aber im journalistischen Alltag schwer einspielbar sein. Außerdem zieht sich die Fertigstellung der Slideshow durch die Terminorganisation für Sprecher und Studio nochmal merklich hin.

Kurt Lewin: Kriegslandschaft. In: Dünne, Jörg; Günzel, Stephan (Hrsg.): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaft

Veröffentlicht am 28. Sep. 2011. in [/Eigene_Projekte] Kommentare: 0


Making-of-Audio-Slideshow für das SZ-Magazin

Die Letzten ihrer Art

making_of_letzten_ihrer_art.jpg

Für iPad-Freunde: Seit heute gibts das SZ-Magazin auch als App für 79 Cent - und in der ersten Nummer ist eine Audio-Slideshow, die ich aus einem Interview und den wunderbaren Fotos von Julian Baumann gemacht habe (ein Making-of zur Titelgeschichte). Zum ersten Mal habe ich dabei direkt mit einem Musiker zusammengearbeitet, der einzelne, sehr dezente Musikelemente für die Slideshow eingespielt hat, Harvey Valdes aus Brooklyn. Das war ein Sprung ins kalte Wasser für uns beide, hat aber letztendlich doch die Fotos und die Erzählung der Slideshow akzentuiert. Die Kollegen von onlinejournalismus.de haben die Ausgabe bereits getestet. Über das positive Feedback habe ich mich sehr gefreut!

Update 2012: Die Slideshow ist mittlerweile kostenlos downloadbar: Die Letzten ihrer Art (MP4, 15,8MB)

Veröffentlicht am 24. Jun. 2011. in [/Eigene_Projekte] Kommentare: 0


Ein paar Stereoaufnahmen aus München

Seelöwen und Isarauen

In den letzten Tagen habe ich versucht, meine neuen Stereo-Rigs im freien Feld auszutesten. Dafür habe ich kleine und kurze Ein-Bild-Shows erstellt - ein spannendes Format. Es ist gar nicht so einfach, in der Stadt geeignete (autofreie) Geräuschmotive zu finden, die Stereo-Raum bieten und spannend anzuhören sind. Manche waren schlicht zu langweilig (Flußrauschen), andere zu komplex (Viktualienmarkt). Gut gefiel mir eine Mischung aus wenigen Geräuschquellen, so dass der Rezipient einzelne Ereignisse isolieren kann und sie sich im leeren Bild vorstellen kann. Wie hier z.B. die Seelöwen vom Circus Krone auf der Theresienwiese:

This text will be replaced


Diese Aufnahme habe ich mit dem PBBA gemacht, das die Geräusche von den Seiten stärker ausblendet und z.B. den Wellengang im vorderen Viertel sehr gut stereophon abbildet. Die Seelöwen selbst waren dagegen fast zu laut für die empfindlichen Mikrofone, teilweise bricht die Aufnahme zusammen, ohne dass man mit dem Pegel etwas retten könnte. Die nicht enden wollenden Kommentare der Frau mit Kind haben mich beim Aufnehmen zunächst sehr gestört - ich dachte, das gehört nicht zu den Seelöwen. Erst beim Nachhören habe ich bemerkt, dass sie die Szene sehr lebendig machen. Die Komposition einer Ton-Szene ist also gar nicht so banal, wie ich dachte.



Ein Radweg in den Isarauen:

This text will be replaced


Hier hat sich das Olson-Rig sehr gut bewährt, weil es fast 180° abbilden kann und die vorbeiziehenden Radfahrer und Fußgänger viel breiter wiedergibt als das PBBA. Außergewöhliches passiert hier zwar nicht, aber dennoch liefern Radfahrer mit unterschiedlichen Reifen, Jogger, Raben und Singvögel, sowie Kinder, Mütter und Hunde ein abwechslungsreiches Bild.

Für die Einbindung habe ich übrigens den JW Player verwendet. Er kann MP3s abspielen und die großformatigen Bilder in einem echten Vollbildmodus auf Bildschirmgröße skalieren. Soundslides hätte nur Bilder bis 1280px Breite anzeigen können und ein Film wäre in dieser Qualität und Länge leicht 100MB groß. Leider kann man mit diesem Player nur jeweils ein Bild mit einem Ton abspielen. Spannend ist jedoch die Verwendung von Playlists, so kann man mehrere solcher Ein-Bild-Stücke in einem einzigen Player und mit kleinen Vorschaubildern einbinden.

Veröffentlicht am 03. Apr. 2011. in [/Eigene_Projekte] Kommentare: 0


Auftragsarbeit für die IG BCE

Die Glasmacher im Bayrischen Wald

glasmacher_ofen.jpg

Für das Mitglieder-Magazin kompakt der Gewerkschaft für Bergbau, Chemie und Energie habe ich im Dezemeber einen Glasmacher-Azubi im Bayrischen Wald porträtiert. Jetzt ist die Slideshow online: Gläserne Leidenschaft.

Veröffentlicht am 01. Feb. 2011. in [/Eigene_Projekte] Kommentare: 0


Rundgang durch ein verfallenes Freibad

Das Floriansmühlbad

floriansmuehlbad_schild.jpg

Dieses Thema hatte ich schon länger im Kopf, weil es für die Audio-Slideshows so gut geeignet ist: In München gab es mal ein sehr beliebtes Freibad. Es wurde in den 90er-Jahren geschlossen, aber nie abgerissen. Seitdem gammelt es vor sich hin und ist mittlerweile eine wunderbare Ruine, die sich auf jede Kamera freut. Was wäre schöner, als einen ehemaligen Besucher zu den Bildern von heute die Anekdoten von damals erzählen zu lassen? Wo kein Medium besser geeignet ist, als Ereignisse in Fotos aufleben zu lassen? Nachdem der jetzige Besitzer, die Hypobank, mein Vorhaben dankbarerweise genehmigte, konnte ich mit Wolfgang Ettlich (über den ich vor zwei Jahren bereits eine Slideshow gemacht hatte) durch das Gelände spazieren. Leider hatte ich nur einen Termin und konnte deshalb nicht beliebig lange nach schönen Bildmotiven und Geräuschen suchen, aber es ist doch eine unterhaltsame Geschichte herausgekommen: Trockengelegte Anbandelzone (sueddeutsche.de)

Veröffentlicht am 18. Oct. 2010. in [/Eigene_Projekte] Kommentare: 1


Audio-Slideshow über die Veranstaltung

Reporter-Workshop in Hamburg

reporter_forum_workshop.jpg Literaturwissenschaftlich ist es ja sehr wichtig, den Erzähler vom Autor zu trennen, aber in der Praxis ist das manchmal sehr schwierig: Zum Beispiel letzte Woche auf dem Reporter-Workshop in Hamburg sollte ich eine Audio-Slideshow über die Veranstaltung machen und gleichzeitig einen Vortrag halten und es war wirklich nicht leicht, sich während des Vortrags selbst zu fotografieren. Also, ich geb sogar offen zu, dass schließlich Kollege Simon Kremer einsprang.

Das Ergebnis meiner (unserer?) Berichterstattung kann man sich nun auf der Website des Reporterforums ansehen, dort finden sich auch die MP3-Dateien aus dem Vortrag von Jens Radü und mir über die Webreportage.

Es war meine erste Audio-Slideshow mit einem Ich-Erzähler. Das war sehr ungewohnt, weil ich wie früher wieder sehr viel mit dem Stift gearbeitet habe, um Beobachtungen und Interviews festzuhalten. Die auktoriale Macht in dieser Form ist erstaunlich, man kann sehr viele gefühlte oder beobachtete Informationen einbringen. Erschreckend ist die Verantwortung die man trägt: Hat man alles richtig verstanden? Tut man jemandem Unrecht mit einem Kommentar? Trügt das Bild?

Leider war es eine Vorgabe, so viele O-Töne in der Slideshow zu haben. Sie geben zwar einen sehr guten auditiven Eindruck von den Personen, lenken aber auch den Erzählstrang ab. Mir hätte es besser gefallen, größtenteils selbst durch die Geschichte zu führen, denn dadurch kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren und Ereignisse raffen. Aber trotzdem: Diese Form hat ein unglaubliches Potential. Ich hoffe wirklich, dass ich sie in Zukunft mehr einsetzen kann.

Veröffentlicht am 01. Jun. 2010. in [/Eigene_Projekte] Kommentare: 0




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